USA: Der starke Dollar und die Folgen für Inflation und Konjunktur

Der US-Dollar kennt seit dem letzten Spätsommer nur eine Richtung, und die geht aufwärts: Gegenüber den wichtigsten Handelswährungen der US-Wirtschaft hat der Greenback allein in dieser Zeit um knapp 15 Prozent aufgewertet. Das Comeback der US-Währung hatte jedoch schon eher begonnen. Mit einem zunächst deutlich gemäßigteren Tempo befindet sich die Leitwährung der Weltwirtschaft bereits seit Mitte 2011 im Aufwärtstrend. Wird die Aufholjagd des Dollars zu seiner alten Stärke die US-Inflation noch weiter in den negativen Bereich drücken? Diese Frage stellt sich gerade im Hinblick auf die anstehende Sitzung des Offen-Markt-Ausschusses der amerikanischen Zentralbank. In diesem Zusammenhang sind auch die jüngsten eher schwachen Daten für die Konjunktur von Interesse, schließlich dürfte der Dollar in den kommenden Monaten für Investoren nicht an Attraktivität verlieren und seine Aufwärtsbewegung noch fortsetzen.

Grundsätzlich dämpft eine starke Währung den Inflationsdruck, da sich Importgüter in der Inlandswährung verbilligen. In den Vereinigten Staaten beträgt der Anteil der Importwaren am Warenkorb der Verbraucher allerdings nur rund zwölf Prozent. Nach einer gängigen Faustregel senkt eine Aufwertung um zehn Prozent die Jahresteuerungsrate in den USA lediglich um rund 0,1‑Prozentpunkt. Der Effekt ist also recht begrenzt und liegt fast im Bereich der Prognoseungenauigkeit. Der deutliche Rückgang bei den Kosten der Lebenshaltung im Januar gegenüber dem Vormonat um 0,7 Prozent war denn auch hauptsächlich dem Einbruch der Energiepreise geschuldet, die Verbraucherpreise lagen sogar um 0,1 Prozent unter dem Niveau vom Vorjahresmonat. Die Kernrate, die nach unserer Einschätzung das verlässlichere Inflationsmaß darstellt, da sie Energie- und Nahrungsmittelpreise ausklammert, stieg hingegen im Vergleich zum Vormonat um 0,2 Prozent. Die Kern-Jahresteuerungsrate notierte bei 1,6 Prozent. Auch in den kommenden Monaten dürfte die Kernrate vom inländischen Preisdruck getrieben werden, so dass die Jahresteuerungsrate nach diesem Maßstab nahezu unverändert bei gut anderthalb Prozent liegen dürfte. Die „Headline“, die alles umfassende Inflationsrate, dürfte hingegen bis zur Jahresmitte weiter leicht im negativen Bereich liegen. Danach rechnen wir wieder mit schwarzen Zahlen, die sich bereits zum Jahreswechsel der Zwei-Prozent-Marke und damit dem Zielbereich der Notenbank angenähert haben sollten. Für den recht kräftigen Anstieg spielt auch ein Basiseffekt durch die energiepreisbedingt niedrigen Inflationsraten in den Vorjahresmonaten eine Rolle.

Alles in Allem ist der starke Dollar bezüglich der Inflation zwar relevant, so deutliche Spuren wie die Energiepreisentwicklung dürfte die USD-Aufwertung bei der Inflation jedoch bei weitem nicht hinterlassen. Auch ohne starken Dollar würde die Inflationsrate aktuell nur geringfügig oberhalb der Null-Linie liegen. Für die Konjunktur gilt ähnliches: Der Anstieg des handelsgewichteten Wechselkurses dürfte zwar einen Teil der in den letzten Jahren gesteigerten Wettbewerbsfähigkeit der Exportwirtschaft auffressen. Der sichtbare negative Beitrag vom Außenhandel zum Wirtschaftswachstum, mit dem wir in diesem Jahr rechnen, ist jedoch nur zum kleineren Teil auf die bremsenden Währungseffekte bei den Exporten zurückzuführen. Der größere und damit belastendere Beitrag kommt vom Anziehen der Einfuhren, die wie in guten, alten Zeiten von den importhungrigen Verbrauchern getrieben werden. Dabei befeuert vor allem die sichtbar verbesserte Lage am Arbeitsmarkt die Konsumfreude, während die währungsbedingte Verbilligung der Einfuhren eine eher untergeordnete Rolle spielen dürfte.

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