Aktiengewinne noch kein Partythema

Der Höhenflug an den europäischen Aktienmärkten kann noch andauern. In kräftigen Aufschwungsphasen können Aktienindizes in kurzer Zeit schon mal um 60, 70 oder gar 100 Prozent zulegen, ohne dass Aktien dabei zum „Partythema“ werden müssen. Zuwächse von über 30 Prozent haben wir beim DAX seit dem Oktober-Tief schon gesehen. Weil jetzt die konjunkturelle Erholung aber erst richtig in Tritt kommt, könnten für Anleger in den nächsten Monaten durchaus noch höhere Gewinne drin sein. Anleger, die der aktuellen Rallye nicht trauen, sollten auf die Blaupause Japan schauen: Dort verdoppelte sich der Nikkei 2012/2013 innerhalb von sechs Monaten. Die Bank of Japan sorgte damals im Zuge ihres Anleihekaufprogramms für eine ähnlich gute Stimmung wie heute in Europa. Investoren, die in Japan auf Rücksetzer zum Einstieg hofften, wurden enttäuscht, weil sich die Rallye schonungslos und ohne größere Pausen fortsetzte.

Die Richtung der jüngsten Kursbewegung geht in Ordnung: Schwacher Euro, niedrigere Rohstoffpreise und ein solider privater Verbrauch sind tragende Säulen für anziehende Unternehmensgewinne. Der Aufschwung bei den Unternehmen nach Jahren der Gewinnstagnation wird jedoch durch die frische Zentralbankliquidität drastisch überzeichnet. Die EZB manipuliert nicht die Richtung, aber sie verstärkt den Aufwärtstrend an den Aktienmärkten in einem noch nie dagewesenen Maße.

Relativ gesehen sind Aktien und Immobilien trotz Preisdopplungen gegenüber Anleihen zum Null- oder Negativzins noch immer spottbillig bewertet. Wirtschaftlichkeitsrechnungen zur Begründung einer Neuinvestition in solche Assets funktionieren jedoch nur, wenn man die hohe Rentenmarktbewertung oder den „Peer-Group“-Vergleich mit anderen Aktien/Objekten heranzieht. In Relation mit den zugrunde liegenden intrinsischen Werten sind viele Preisaufrufe bei Sachwerten schon lang nicht mehr gewinnversprechend. Es sei denn, der Anleger bringt einen ausreichend langen Anlagehorizont (und Nerven aus Stahl) mit oder findet vor einer möglichen Korrektur noch zügig einen Käufer, der ihm das überteuerte Gut zu einem noch höheren Preis abkauft.

Die Rallye bei Aktien und vermutlich auch Immobilien wird sich zunächst fortsetzen, weil der Hunger nach Rendite weiterhin frisches Geld in die Märkte lockt. Bis zum Jahresende erwarten wir einen Indexstand von 12.500 DAX-Punkten. Dies spricht dafür, auch heute noch Aktien zu kaufen. Würde die Kurse danach noch weiter ansteigen, würde sich die heute bereits übertrieben hohe Bewertung an den Aktienmärkten nochmals stark ausweiten und die Märkte möglicherweise erneut in die Sphären früherer Übertreibungen wie der „dotcom“-Blase, im Jahr 2000, oder den „Roaring Twenties“ (bis zum Crash 1929) treiben. Es gilt ab sofort frei nach Warren Buffett: „Dass Anleger immer aus Gier, Angst oder Dummheit agieren werden, ist vorhersehbar. Die Reihenfolge jedoch leider nicht.“ Die Nachwehen des Aufschwungs dürften jedenfalls schlimm ausfallen.

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