Japan: Tankan-Umfrage enttäuscht die Erwartungen

Die vierteljährliche Tankan-Umfrage der japanischen Notenbank vom ersten Quartal 2015 hat enttäuscht: Mit 12 Zählern blieb der Diffusionsindex für die großen Industrieunternehmen des Landes unverändert zum Vorquartal. Nur eine relativ kleine Mehrheit der Unternehmen hat für ihr aktuelles geschäftliches Umfeld ein positives Urteil abgegeben. Erwartet war ein kleiner Anstieg des Indexes, also eine leichte Zunahme der Zahl der Unternehmen, die sich positiv äußern, zumal die industriellen Auftragseingänge zu Jahresbeginn noch nach oben zeigten und vor allem die Exportaufträge noch im Januar einen deutlichen Sprung nach oben machten. Dennoch sehen viele Industrieunternehmen nun mit „gemischten Gefühlen“ nach vorn. Die Erwartungskomponente des Tankan deutet für den absehbaren Trend sogar wieder leicht nach unten und prognostiziert hier für das zweite Quartal einen Wert von 10 Punkten.

Auf alle Unternehmen in Japan bezogen stieg der Index von 6 auf 7. Das immer noch etwas tiefere Indexniveau im Vergleich zur Industrie erklärt sich wohl aus der Tatsache, dass viele der kleineren und ausschließlich im Inland aktiven Firmen kaum positive Impulse aus der Yenabwertung der vergangenen 12 Monate ziehen konnten, sondern im Gegenteil die Kostensteigerungen für importierte Vorprodukte zu spüren bekommen haben. Aber immerhin hat sich im gesamten Unternehmenssektor die Stimmung zuletzt nicht verschlechtert. Die Verschiebung der zweiten Stufe der Konsumsteueranhebung auf April 2017 sollte den privaten Verbrauch in den nächsten Monaten stärker anschieben und vielen konsumnahen Unternehmen und Dienstleistern damit erst einmal „Luft“ verschaffen.

Auf der Basis allein dieser jüngsten Tankanzahlen ist für Japan in den nächsten Monaten noch kein allzu dynamischer Anstieg der Investitionsausgaben zu erwarten. Zu großer Pessimismus ist aber auch nicht angezeigt, da es neben dem Tankan andere Stimmungsbarometer gibt, die wie etwa der „Index of Business Conditions“ des Cabinet Office durchaus klare Verbesserungen des Geschäftsumfeldes anzeigen. Auch die verschiedenen Indices der japanischen Einkaufsmanager blieben zuletzt über der Marke von 50 Punkten und damit weiter in der Expansionszone.

Eine Verbesserung der Stimmung und der Markteinschätzungen bei Japans Unternehmen ist allein schon deshalb wichtig, weil hiervon abhängt, inwieweit sich diese in der noch laufenden Lohnrunde dem Aufruf der Regierung zu deutlichen Nominallohnerhöhungen anschließen. Immerhin haben sich nun so renommierte Großunternehmen wie Toyota, Nissan und Honda zu Lohnanhebungen von 3 bis 3 ½ Prozent ab April bereit erklärt. Auch Hitachi hat sich der Runde mit den höchsten Lohnsteigerungen seit zehn Jahren angeschlossen. Ob daraus ein „Signal-Effekt“ auch für die kleineren Unternehmen ausgeht, die immerhin rund 70 Prozent der japanischen Arbeitnehmer beschäftigen, steht noch aus. Aber die Bereitschaft zu Lohnzugeständnissen scheint auch hier und vor dem Hintergrund zuletzt sehr „fester“ Arbeitsmarktzahlen zu wachsen. Klar ist, dass nur mit höheren Löhnen die expansive Geldpolitik und die „Abenomics“ funktionieren und die Absatzchancen der Unternehmen im Inland und damit das Wachstum der Gesamtwirtschaft ankurbeln können. Unter diesen Umständen wären höhere Löhne kein „echtes“ Opfer für die Unternehmen.

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