Griechenlands Finanzkrise bleibt eine Never-Ending-Story

Das Pokerspiel der Griechen mit den „Institutionen“ (Troika) geht in eine neue Runde. Seit Wochen lastet die Frage auf dem Euro, ob Athen nach den Osterfeiertagen das Geld ausgeht. In der vergangenen Woche gab es noch äußerst widersprüchliche Aussagen. Innenminister Voutzis drohte, dass zuerst Gehälter und Renten bezahlten werden und daher die am Donnerstag (9.4.) anstehende Rückzahlung der IWF-Kreditrate über circa 470 Mio. EUR verschoben werden müsse. Kurze Zeit später beruhigte Arbeitsminister Skourletis die Gemüter, indem er erklärte, dass das Land genug Geld bis Ende April habe. Finanzminister Varoufakis stellte dann nach seinem Treffen mit IWF-Chefin Lagarde klar, dass seine Regierung den Zahlungsverpflichtungen nachkommen wird. Ein Restrisiko, dass die Rate aus irgendwelchen Gründen doch nicht überwiesen wird, bleibt eindeutig. Für den Euro bedeutet die Fortsetzung der „Griechenland-Saga“ in den nächsten Tagen nicht nur erneuten Gesprächsstoff, sondern durchaus potentiellen Sprengstoff.

Die griechische Regierung setzt ihre weltweite Suche nach finanzieller Unterstützung mit dem Moskau-Besuch von Premier Tsipras am Mittwoch (8.4.) nahtlos fort. Befürchtungen, die Russlandreise könnte eine Distanzierung Griechenlands von der EU bedeuten, weist der griechische Regierungssprecher zurück. Aber wie es sich für richtige Zocker gehört, haben die Griechen mit Präsident Putin noch ein fettes Ass im Ärmel, das sie öffentlichkeitswirksam ausspielen. Beim Treffen geht es zwar vor allem um wirtschaftliche und finanzielle Unterstützung durch den Kreml. Nicht gerade zufällig wies Tsipras zuletzt aber auf die sinnlose Sanktionspolitik der EU gegenüber Russland hin. Vielleicht hofft Athen mit der Drohung, bei der im Juli fälligen Verlängerung der EU-Sanktionen ein Veto einzulegen, auf mehr Entgegenkommen durch die „Institutionen“?

Ob diese Drohkulisse dafür sorgt, dass die Verhandlungen mit den internationalen Geldgebern in dieser Woche abgeschlossen werden (so wie vom griechischen Wirtschaftsminister Stathakis vorhergesagt), erscheint fraglich. Selbst wenn diese Woche glimpflich, d.h. ohne Zahlungsverzug, über die Bühne geht, bleibt die finanzielle Lage bis zur möglichen Einigung beim nächsten Eurofinanzminister-Treffen am 24.4. äußerst fragil. Die Situation in Griechenland erscheint daher zum Leidwesen für das Euro-Sentiment weiterhin kaum kalkulierbar.

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