Die überschätze Relevanz spekulativer Kräfte

Viel ist in den letzten Monaten über die aggressive Ausweitung spekulativer Short-EUR-USD-Positionen geschrieben worden. Waren Investoren Mitte des vergangenen Jahres noch neutral positioniert, ging die darauffolgende EUR-USD Abwertung Hand-in-Hand mit einem stetigen Aufbau spekulativer Short-Positionen. In der Spitze erreichten diese Ende März ein Volumen von beeindruckenden 226.000 Kontrakten – ein Rekordwert. Und auch der aktuellste Wert liegt mit 215.000 Kontrakten auf extremen Niveaus. Hier und da mag in Anbetracht dieser Daten der Eindruck entstanden sein, dass die dramatische Abwertung des Euros vor allem spekulativen Investitionen geschuldet sei. Doch auch wenn die Entwicklung der spekulativen Marktpositionierung ohne Frage außergewöhnlich war, ist zu bemerken, dass die Korrelation zwischen dem EUR-USD-Kassakurs und der Positionierung schon seit geraumer Zeit nicht mehr so hoch ist, wie dies in der Vergangenheit der Fall war. Tatsächlich liegt der 15-Wochen rollierende Korrelationskoeffizient schon seit Herbst 2014 durchgehend unterhalb seines langfristigen 6-Jahresdurchschnitts von 0,61. Im November fiel die Korrelation kurzzeitig gen null, in den vergangenen Wochen sogar in den negativen Bereich (-0,13). Ein absolutes Novum. So verlockend es also sein mag, die aggressive Abwertung von EUR-USD allein spekulativen Kräften zuzuschreiben, ist es offensichtlich, dass hier andere, fundamentalere Kräfte am Werk sind.

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