Chinas Wirtschaft drosselt Wachstumstempo weiter

Die Konjunktur in China hat zum Auftakt des laufenden Jahres weiter an Schwung verloren: Den offiziellen Angaben des National Bureau of Statistics zufolge ist das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal um 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen und damit mit der niedrigsten Rate seit dem Tiefpunkt der Finanz- und Wirtschaftskrise vor fünf Jahren. Auch im direkten Quartalsvergleich hat das Wirtschaftswachstum zuletzt nochmals etwas an Dynamik verloren: Die saisonbereinigte Quartalsrate verringerte sich von 1,5 auf 1,3 Prozent – so tief hat sie seit dem Winterhalbjahr 2008/09 nicht mehr gelegen. Ein Wachstumseinbruch ist dies sicherlich nicht, wohl aber eine Fortsetzung des moderat abwärts gerichteten Wachstumspfads, dem die chinesische Wirtschaft seit geraumer Zeit folgt und den die politische Führung in Peking auch anstrebt und gut heißt. Die jüngste Absenkung des offiziellen Zielwertes für das Wirtschaftswachstum Anfang März von 7,5 auf 7 Prozent ist in diesem Kontext zu sehen.

Ein Blick auf die Ursachen des langsameren Wachstums zeigt, dass insbesondere die Industrie und der Bausektor, und hier vor allem der Wohnungsbau, weiter abgebremst haben. Viel Aufmerksamkeit haben die zuletzt relativ schwachen Außenhandelszahlen erhalten, die für den März einen Rückgang der chinesischen Ausfuhren um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr und damit einen (vermeintlich) scharfen Einbruch der Exportkonjunktur angezeigt haben. Allerdings sind die enormen Verzerrungen zu berücksichtigen, die stets im ersten Quartal durch die Feiertage rund um das chinesische Neujahrsfest entstehen. Dieses lag in diesem Jahr zeitlich relativ spät, weshalb die saisonal typische Erholung im März spürbar gedämpft wurde. Im Februar waren die Exporte noch um knapp 50 Prozent gewachsen – ebenfalls als Folge der saisonalen Verzerrungen. Im gesamten ersten Quartal sind die Ausfuhren um 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Das ist nicht üppig und sicherlich auch eine Folge der massiven Aufwertung des Yuan, der seit Mai letzten Jahres handelsgewichtet um über 10 Prozent an Wert gewonnen hat. Das moderate Exportwachstum vergleicht sich aber mit einem kräftigen Rückgang der Importe und rekordhohen Handelsbilanzüberschüssen im Januar und Februar. Per Saldo dürfte der Außenhandel das Wachstum daher zuletzt eher gestützt haben.

Gleichwohl muss die Wachstumsdynamik der chinesischen Wirtschaft, gemessen an den vierteljährlichen Raten, in den kommenden Monaten wieder deutlich anziehen, damit ein Wachstum von 7 Prozent dann auch im Gesamtjahr 2015 – zumindest knapp – erreicht wird. Peking dürfte daher um weitere Stützungsmaßnahmen für die Konjunktur kaum umhin können, wie Ministerpräsident Li hat in den vergangenen Wochen auch mehrfach betont hat. Die jüngsten Äußerungen aus Notenbankkreisen zielen ebenfalls in diese Richtung. Wir rechnen daher sowohl mit weiteren Lockerungen der Geldpolitik als auch mit vereinzelten fiskalpolitischen Maßnahmen, die dem Wachstum vorübergehend wieder mehr Schwung geben sollten. Generell bleibt der abwärts gerichtete Wachstumstrend aber erhalten. Eine Anpassung der Wachstumszielvorgabe schon im kommenden Jahr – vermutlich auf dann 6,5 Prozent – erscheint uns daher unvermeidlich.

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 0

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *