Die Geister, die ich rief

Heute trifft sich der EZB-Rat. EZB-Chef Mario Draghi wird in der anschließenden Pressekonferenz das nun seit gut einem Monat laufende Kaufprogramm für Anleihen verteidigen und alle aufkommenden Fragen bezüglicher einer vorzeigen Beendigung oder Reduzierung des QE-Programms vehement zurückweisen. Dabei sind diese Fragen mehr als angebracht.

Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe liegt nun bereits bei nur noch 0,14% und ein weiterer Rückgang ist mehr als wahrscheinlich. Es dürfte nur noch eine Frage von wenigen Wochen sein, bis auch die 10-jährigen Bundesanleihen keine Rendite mehr aufweisen oder sogar im negativen Bereich rentieren. Denn der Markt für Bundesanleihen wird zusehends enger. Eine aktuelle Umfrage der Bundesbank zeigt, dass die größten Anleger in Bundesanleihen, deutsche Banken und Versicherungen, bislang kaum Bundesanleihen an die Zentralbank verkauft haben. Dies dürfte sich auch in den kommenden Monaten kaum ändern, da regulatorische und geschäftspolitische Überlegungen dagegen sprechen. Somit sollte es für die Bundesbank immer schwerer werden, die festgelegte Summe von monatlich rund 12,5 Mrd. Euro an Bundesanleihen kaufen zu können.

Für mich drängt sich jedoch die Frage auf, ob der Nutzen des Anleihekaufprogramms der EZB die möglichen Gefahren rechtfertigt. Es kann für den europäischen Kapitalmarkt nicht gut sein, wenn die EZB den Zins abschafft. Zinsen haben für eine Volkswirtschaft eine überaus wichtige Steuerungswirkung. Wenn diese wegfällt, kommt es zwangsläufig zu kräftigen Fehlallokationen. Die Probleme werden aber erst richtig sichtbar, wenn die EZB das QE-Programm stoppt oder wegen der Inflationsentwicklung sogar stoppen muss.

Wenn auf der EZB-Pressekonferenz das laufende Programm heute gerechtfertigt wird, sollte man der Öffentlichkeit auch sagen, mit welchen Problemen man wegen des Programms rechnet und wie man es ohne größeren Schaden für die Volkswirtschaften wieder beenden kann.

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