Draghi: PSPP wird voll umgesetzt

Draghi tritt „Tapering“-Spekulation entgegen – EZB will PSPP voll umsetzen

Die europäischen Währungshüter haben heute turnusgemäß über die Angemessenheit ihrer Geldpolitik beraten. Erwartungsgemäß haben die Notenbank-Oberen den Leitzins unverändert bei 0,05% belassen. Neue unkonventionelle Maßnahmen wurden nicht beschlossen. Vor diesem Hintergrund lag der Fokus der Marktakteure auf den Ausführungen Draghis im Rahmen der EZB-Pressekonferenz. Hier sieht er erste Erfolge des Programms womit sich für die EZB ein Gesamtbild mit ausgeglicheneren ökonomischen Risiken ergibt.

Gleich zu Beginn des Pressegespräches hat Notenbankchef Draghi hervorgehoben, dass die Notenbank beabsichtigt, das jüngst gestartete breit angelegte Anleiheankaufprogramm (PSPP) in vollem Umfang umzusetzen, damit die erwünschte Wirkung auf die Inflationsentwicklung erzielt werden kann. Grundsätzliche Zielsetzung des QE-Programmes sei es, dass sich die Inflation wieder in Richtung des Inflationsziels von unter aber nahe bei 2% entwickelt. Im Vorfeld der Zinssitzung wurde marktseitig darüber spekuliert, inwieweit die Notenbank gezwungen sein könnte, die Anleiheankäufe vorzeitig zu reduzieren. Einerseits aufgrund dessen, dass sich die Teuerung möglicherweise schneller in die gewünschte Richtung entwickelt oder anderseits das Universum der für den Kauf durch die EZB in Frage kommenden Wertpapiere zu sehr zusammenschrumpft. EZB-Chef Draghi hat sich über derartige Spekulationen recht erstaunt gezeigt. Insbesondere die Sorgen über mögliche Engpässe im Hinblick auf das im Rahmen des PSPP im Fokus stehenden Anleiheuniversums hält der Notenbankchef derzeit für verfrüht. Unserer Einschätzung nach ist die Debatte, inwieweit die monatlichen Anleihekäufe bis September 2016 in vollem Tempo fortgeführt werden oder inwieweit nicht bereits zu einem früheren Zeitpunkt Adjustierungen vorgenommen werden müssen, lediglich aufgeschoben. Je mehr sich der Trend zu Teuerungsraten im positiven Bereich verfestigt, desto eher dürfte diese wieder an Brisanz gewinnen.

In diesem Zusammenhang rücken insbesondere die zur Juni-Zinssitzung zur Veröffentlichung anstehenden überarbeiteten Inflationsprojektionen der EZB-Stabsmitarbeiter in den Fokus. Eine weitere Anhebung des Inflationspfades, dürfte die Diskussion über eine Anpassung des QE-Programmes weiter beleben. Wir halten eine Adjustierung des PSPP in der zweiten Jahreshälfte für wahrscheinlich.

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