Griechenland: Taktieren bis zum Schluss

Die Rating-Agentur S&P hat am 15. April eine außerordentliche Ratingherabsetzung auf CCC+ (negativ) bekannt gegeben. S&P hat allerdings auch betont, dass nicht geleistete Zahlungen an die öffentlichen Kreditgeber nicht automatisch mit einer Herabsetzung der Ratingnote auf „Selective Default“ einhergehen müssten. Relevant für die Ratingentscheidung sei für S&P, ob Griechenland seinen Verpflichtungen gegenüber den nicht-kommerziellen Gläubigern nachkomme.

Legen wir Griechenlands Zahlungen nur gegenüber privaten Anleihegläubigern zugrunde, stehen für den Rest des Jahres bei griechischen Anleihen des GGB-Segments lediglich Zahlungen in Höhe von 71 Mio. Euro am 17. Juli aus. Hinzu kommen noch weitere 159 Mio. Euro für ausstehende internationale Greece-Anleihen. Diesen vergleichsweise moderaten Zahlungen stehen Verpflichtungen für öffentliche gehaltene Anleihen und IWF-Kredite von insgesamt 14,6 Mrd. Euro bis Jahresende gegenüber.

Käme Griechenland seinen Zahlungsverpflichtungen gegenüber den öffentlichen Gläubigern nicht nach, ohne als zahlungsunfähig eingestuft zu werden, stellte sich auch die Frage, wie sich die EZB in solch einem Fall verhielte. Medienberichten zufolge arbeitet die EZB an Szenarien, in welchen die Banken trotz Zahlungsausfall gegenüber den öffentlichen Gläubigern liquide und solvent gehalten werden können. Da der zuvor häufig genannte Automatismus, ein Zahlungsausfall infolge gescheiterter Verhandlungen zöge auch einen Grexit nach sich, zunehmend in Zweifel gerät, entwickelt sich die Lage für die griechische Regierung aus verhandlungstaktischer Sicht eher positiv.

Die Kreditgeber haben wiederum abzuwägen, ob die Gewährung neuer Hilfsgelder oder der Zahlungsausfall innerhalb der EWU die bessere Option oder vielmehr das „kleinere Übel“ ist, wenn es für einen Grexit keine breite Mehrheit gibt und Griechenland diesen verhandlungstaktischen Vorteil nutzt. Da Griechenlands konfrontative Taktik klar zu sein scheint, während die Kreditgeber sich noch nicht für eine Option entschieden haben, nimmt die Sorge an den Märkten, auch andere Peripheriebonds betreffend, aktuell deutlich zu.

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