Britischer Wahlkrimi bleibt spannend

Die britischen Wahlen finden schon nächste Woche Donnerstag statt, doch einen klaren Favoriten sucht man vergeblich. Im Gegenteil: umso näher die Wahl rückt, desto schwieriger wird es, sich eine Situation vorzustellen, in der es einer Partei gelingen könnte, eine auch nur halbwegs stabile Regierung zu bilden. Die Konservativen haben in dieser Wahl mit gleich zwei Problemen zu kämpfen. Zum einen werden sie im Vergleich zur Wahl 2010 deutlich an Stimmen verlieren, zum anderen hat ihr Koalitionspartner, die Liberalen, massiv an Unterstützung eingebüßt. Betrachtet man die neusten Berechnungen, wird es für David Cameron daher äußerst schwierig werden, eine mehrheitsfähige Regierung zu bilden. Selbst laut „Elections etc“, die den Konservativen am meisten zutrauen, käme das konservative Lager momentan nur auf eine denkbar knappe Mehrheit von 324 Sitzen. Und auch das nur unter der Voraussetzung, dass sich der Liberale Parteichef Nick Clegg auf einen Deal mit UKIP einlässt, wozu er momentan offensichtlich wenig Lust verspürt. Während die Konservativen daran scheitern könnten, keinen schwergewichtigen Koalitionspartner zu haben, kämpft Ed Miliband mit einem zu mächtigen Mitkämpfer: der Scottish National Party (SNP), die in den letzten Wochen noch mal an Popularität zulegen konnte. Eine Zusammenarbeit mit der SNP wäre für Ed Miliband allerdings ein heißes politisches Eisen. Es wäre eine Sache, David Cameron mithilfe der Stimmen der SNP aus dem Amt zu wählen (man erinnere sich: laut englischem Wahlrecht bleibt der Premierminister im Amt, bis er abdankt oder ein Misstrauensvotum verliert), eine andere, zusammen mit der SNP eine neue Regierung zu bilden. Das einzige Fazit, was damit auch heute 11 Tage vor der Wahl bleibt, ist, dass vollkommen unabsehbar ist, wer Großbritannien in den kommenden 5 Jahren regieren wird. Zwar gibt es rein rechnerisch mehrere Möglichkeiten, wirklich überzeugen kann davon aber keine: weder eine zusammengestückelte Konservative-Fraktion, die aus mindestens drei, möglicherweise aber auch fünf, Parteien bestehen würde, noch eine Labour-Konstellation mit der SNP, die Labour das Genick brechen könnte. Dass Sterling vor diesem Hintergrund weiterhin über der Marke von $1,50 handelt, ist schwer nachzuvollziehen

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