Euro-Wirtschaftswachstum 1. Quartal 2015: Belgien eröffnet Berichtssaison glanzlos

Ab heute werden peu à peu die Wachstumsraten der Euroländer für das erste Quartal veröffentlicht. Dabei macht Belgien traditionell den Anfang. Spannend an den belgischen Zahlen ist, dass die Schnellschätzung in den vergangenen Jahren mit wenigen Ausnahmen eine recht gute Indikation für das zwei Wochen später erscheinende Euro-BIP-Wachstum abgab.

Diese Daumenregel dürfte dieses Mal aber verletzt werden. Mit +0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal liegt die Rate ein Stück weit unter den von uns prognostizierten +0,5 Prozent für das Euro-Aggregat. Dabei waren die Startbedingungen für Belgien durch den niedrigen Ölpreis und den schwachen Außenwert des Euros ausgesprochen günstig. Warum das Wachstum verhalten ausfiel, lässt sich aus der Schnellschätzung nicht direkt ableiten, da Details zu den Verwendungskomponenten nicht mitgeliefert wurden. Frühindikatoren und harte Daten vermitteln aber schon einen recht guten Eindruck, aus welcher Ecke der Wachstumsdämpfer kam. Dabei gibt das gedämpfte Stimmungsbild unter den Konsumenten, in der Industrie und bei Dienstleistern bereits einen recht guten Hinweis. Mit der Binnennachfrage läuft es nicht ganz rund: Lohnmäßigung, die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte und temporäre Effekte bei den Investitionen sorgten bei der heimischen Nachfrage nur für schwache Impulse. Bei den Investitionen wirkt das dritte Quartal 2014 wachstumsdämpfend nach, als sie durch einen hohen Betrag an Lizenzen und den Erwerb von Schiffen einen regelrechten Wachstumsschub erfuhren. Allein 2/3 des Wirtschaftswachstums waren damals auf die Anlageinvestitionen zurückzuführen. Dieser Schub fehlt nun. Dass das belgische BIP im ersten Quartal dennoch nicht stagnierte, verdankt es wohl überwiegend den absatzfördernden Effekten aus den stark gesunkenen Energiepreisen und dem schwachen Euroaußenwert, die sich positiv auf den Exportsektor ausgewirkt haben. Darüber hinaus dürften die moderaten Eingriffe bei Löhnen und am Arbeitsmarkt die Position im internationalen Wettbewerb zusätzlich verbessert haben. Erste Zahlen für den Januar und Februar zu den Nettoexporten – also den Exporten abzüglich der Importe – stützen diese Vermutung: Der Exportüberschuss war im Februar 2015 so hoch wie seit Oktober 2005 nicht mehr.

Der Ausblick für die kommenden Quartale bleibt vorerst verhalten. Der Knoten beim Konsum dürfte sich dabei nicht komplett lösen, aber zumindest langsam lockern. Eine schwache Lohnentwicklung und Auswirkungen der Konsolidierungsmaßnahmen auf den öffentlichen Sektor sollten sowohl die private Nachfrage als auch den Staatskonsum vorerst weiter dämpfen. Bei den Investitionen ist angesichts verbesserter Refinanzierungsbedingungen, einer gestiegenen Kapazitätsauslastung und volleren Auftragsbüchern mit einer langsam zunehmenden Dynamik in diesem und kommenden Jahr zu rechnen. Zusammengefasst dürfte die belgische Wirtschaft in diesem Jahr mit 1,1 Prozent und in 2016 mit 1,5 Prozent wachsen und damit etwas unterhalb des EWU-Aggregats bleiben.

Morgen, am 30. April, wird mit Spannung die Wachstumszahl für Spanien erwartet. Die Iberer haben sich in den letzten Quartalen neben Deutschland als Euro-Wachstumsmotor profiliert. Daneben stehen auch Q1-Zahlen zu Österreich, Lettland und Litauen auf der Agenda. Das Euro-Aggregat folgt dann in etwa zwei Wochen, am 13. Mai.

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