Mini-Crash an den Kapitalmärkten

Hat die Europäische Zentralbank ein Ende ihres Ankaufprogramms verkündet? Fast könnte man den Eindruck haben. So hat der Deutsche Aktienindex (DAX) seit Montag dieser Woche rund 5% verloren; seit seinen Höchstständen Mitte April sind es sogar fast 8%. Auch der US-Dollar hat zum Euro erheblich Federn lassen müssen. Seit Mitte April kommen hier immerhin 6% zusammen. Einen kleinen Crash erlebt hat auch der Rentenmarkt. Lag die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen noch Mitte April auf ihrem Allzeittief von 0,05%, hat sie sich seitdem um fast 30 Basispunkte erhöht. Allein in den letzten Tagen hat sie sich verdoppelt – von 0,16% auf über 0,3%.

Diese Marktentwicklung kommt angesichts der fortgesetzten quantitativen Lockerung der EZB überraschend. Vom üblichen Zusammenhang „schwacher Aktienmarkt – starker Rentenmarkt“ und umgekehrt ist nichts zu sehen. Vielmehr folgen die Kurse dem Muster der vergangenen Monate, nur eben in die andere Richtung. War es seit Jahresbeginn das immense Anleihekaufprogramm der EZB, das die Fantasie der Marktteilnehmer beflügelt hat und die Kurse von Aktien und Anleihen nach oben hat schießen lassen, während der Euro unter Abgabedruck stand, kehrt sich diese Entwicklung jetzt um. Im Gegensatz zur Aufwärtsbewegung, die sich stetiger vollzog, geht es nach unten ganz schnell, so dass einige schon von einem „Blitz-Crash“ sprechen.

Diese Marktentwicklung wäre zu erwarten gewesen, wenn die EZB verkündet hätte, ihr Kaufprogramm stoppen zu wollen. Doch nichts dergleichen ist passiert. Wir erwarten, dass sich der Anlagedruck in den kommenden Wochen wieder verstärkt, und die Kurse wieder an ihre Entwicklung der vergangenen Monate anknüpfen können. Ein fader Beigeschmack jedoch bleibt, denn die Entwicklung der letzten Tage zeigt, dass eine EZB-induzierte Hausse auf wackligen Beinen steht. Sie ist keine Einbahnstraße, die Volatilität in einen solchen Umfeld kann beträchtlich sein und scheinbar stabile Korrelationen zwischen den Marktsegmenten in solchen Situationen können zusammenbrechen – mit den entsprechend negativen Auswirkungen auf diejenigen Portfolios, die auf solche Korrelationen setzen.

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