Ausverkauf an den Märkten

In den vergangenen Handelswochen ist es an allen großen Assetmärkten zu – teilweise recht heftigen – Verwerfungen gekommen. Fundamentale Gründe waren aus unserer Sicht jedoch nicht für den Ausverkauf bei Bund-Future, DAX und Co. verantwortlich. Hier gab es zuletzt keine Nachrichten, die geeignet waren, die Märkte in einem solchen Umfang zu bewegen.

Vielmehr dürften markttechnische Gründe ausschlaggebend für die starken Bewegungen gewesen sein: In den letzten Monaten haben viele Anleger ähnliche Strategien (Bund-Future und DAX long, Euro short usw.) in ihren Portfolios verfolgt. Das immense Anleiheankaufprogramm der EZB lieferte dabei die notwendige Fantasie für diese Portfolioausrichtung. Zu rasch wurden damit aber auch Kursniveaus erreicht, bei denen eine kritische Masse von Investoren nicht mehr an einen weiteren Preisanstieg glaubte und auf Portfoliosicherungen setzte. Ein Teil dieser Sicherungen wurde durch die ersten Kursverluste ausgelöst und führte in den Folgetagen zu einem sich selbst verstärkenden Effekt mit bekannten Auswirkungen.

Der Kursrutsch im Mai ändert unser Weltbild jedoch nicht. Vieles spricht dafür, dass es sich bei den jüngsten Abwärtsbewegungen um Korrekturen in einem langfristigen Aufwärtstrend handelt, nicht jedoch um eine generelle Trendumkehr. Der schwache Euro, niedrigere Rohstoffpreise und eine stabile Konsumnachfrage werden auch zukünftig für eine Verbesserung der Konjunktur in Europa sorgen. Dies wird auch den Unternehmen und damit dem DAX wieder Rückenwind geben. Die schiere Größe des EZB-Ankaufprogramms spricht zudem dafür, dass auch am EWU-Rentenmarkt ein Ende der Korrektur bevorsteht. Allerdings besteht unter anderem aufgrund der vorsichtig steigenden Inflationsraten die Möglichkeit, dass die Rekordrenditetiefs nicht noch einmal erreicht werden.
Die Kursverluste der vergangenen Wochen haben gezeigt, dass die EZB-induzierte Hausse an den Anleihe- und Aktienmärkten auf wackeligen Beinen steht. Der prozyklische Kauf zu Höchstkursen liefert keine Garantie für Gewinne, scheinbar stabile Korrelationen können jederzeit zusammenbrechen, die vermeintlich hohe Liquidität im Handel kann in Stresssituationen schnell zur Illusion werden und zu einem erheblichen Anstieg der Volatilität führen.

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