Deutscher Mittelstand mit hoher Investitionsbereitschaft

Nachdem sich im letzten Herbst die Stimmung im Mittelstand noch deutlich eingetrübt hatte, ist inzwischen wieder eine spürbare Verbesserung zu verzeichnen. Das zeigt die aktuelle Mittelstandsumfrage der DZ BANK. Sowohl die Geschäftserwartungen als auch die aktuelle Lage wurden in diesem Frühjahr positiver bewertet als noch vor sechs Monaten. Die mittelständischen Unternehmen blicken optimistisch in die nähere Zukunft.

Merklich zugenommen hat auch die Investitionsbereitschaft des deutschen Mittelstands. Mittlerweile planen fast 80 Prozent der Befragten innerhalb der nächsten sechs Monate in ihr Unternehmen zu investieren. Dies ist das beste Ergebnis seit dem Frühjahr 2000 und der zweithöchste Wert seit dem Start der Mittelstandsumfrage im Jahr 1995.

Die Geschäftserwartungen für die nächsten sechs Monate haben sich von ihrem Einbruch im Herbst wieder erholt und stiegen im Frühjahr von 14,4 auf 31,4 Punkte. Nochmals wesentlich besser bewerten die Mittelständler derzeit ihre aktuelle Geschäftslage. Sie liegt mit 71,8 Punkten (Herbst 2014: 68,4 Punkte) weit über ihrem langjährigen Durchschnitt von 38,8 Punkten.

Der deutsche Mittelstand setzt auch seine Personaloffensive weiter fort. Immerhin 34 Prozent der Mittelständler wollen in den nächsten sechs Monaten ihren Personalbestand ausbauen. Soviel waren es in den letzten 20 Jahren und damit seit Bestehen unserer Mittelstandsumfrage noch nie.

Die mittelständischen Unternehmen verschließen jedoch keineswegs ihre Augen vor den derzeitigen internationalen Krisen wie dem anhaltenden Konflikt in der Ukraine sowie der schwierigen Finanzlage in Griechenland. So sehen sich 24,7 Prozent von den Auswirkungen des Ukraine-Konflikts „etwas“ (Herbst 2014: 24,6 Prozent) und sechs Prozent „stark“ betroffen (Herbst 2014: 3,5 Prozent). Besonders negativ betroffen zeigt sich weiterhin die Landwirtschaft: Mehr als die Hälfte der landwirtschaftlichen Unternehmen werden von der Ukraine-Krise belastet. Wie bereits im Herbst geht es dabei weniger um die direkten Auswirkungen des russischen Importstopps als um das dadurch verursachte Überangebot an Lebensmitteln in Westeuropa, das auf die Preise drückt. Außerhalb des Agrarsektors wirkt sich die Ukraine-Krise aber nicht auf das Auslandsengagement im Mittelstand aus. Dieses steigt leicht auf 57,4 Prozent.

Mehr als die Hälfte der mittelständischen Unternehmen freut sich über das aktuell niedrigere Ölpreisniveau, das ihnen hilft ihre Energiekosten zu senken. Der Euro-Abwertung der letzten Monate steht der deutsche Mittelstand dagegen mehrheitlich skeptisch gegenüber. In den negativen Antworten spiegeln sich wohl auch die Befürchtungen über ein Wiederaufflackern der Eurokrise bzw. über die weitere Entwicklung in Griechenland wider. Da die mittelständischen Unternehmen eher in den europäischen Nachbarstaaten aktiv sind, profitieren sie nur unterdurchschnittlich von der gestiegenen Wettbewerbsfähigkeit deutscher Güter im Nicht-Euro-Ausland. So ist es auch nicht verwunderlich, dass nur die beiden am stärksten im Ausland aktiven Branchen, nämlich der Metall-, Automobil- und Maschinenbau und die Chemie- und Kunststoffindustrie, die Euro-Schwäche mehrheitlich positiv bewerten.

Zusammenfassend zeigen die Ergebnisse unserer aktuellen Umfrage, dass die mittelständischen Unternehmen in Deutschland trotz der weiter bestehenden Risiken insgesamt ein erfolgreiches Jahr 2015 erwarten.

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