PSPP: Alles geht seinen geregelten Gang

Nach einem Ankaufvolumen von 13,6 Mrd. Euro in der vergangenen Woche, das oberhalb des Durchschnitts der zurückliegenden Wochen liegt, tritt die Annahme, die EZB und die nationalen Notenbanken kämen im Rahmen ihres Anleiheankaufprogramms öffentlicher Anleihen (PSPP) nicht an ausreichend Material, immer mehr in den Hintergrund. Nach Überschreiten eines kumulierten Ankaufvolumens von 100 Milliarden Euro nach knapp zwei Monaten Programmdauer scheint alles seinen geregelten Gang zu gehen.

Auch im Wonnemonat Mai dürfte die Zielerreichung des Ankaufprogamms kaum in Frage gestellt werden, da es in diesem Monat wenig Wiederanlagebedarf geben wird, der sich theoretisch aus Anleihetilgungen ergäbe. Die EZB hat dementsprechend auf der Nachfrageseite noch weniger Konkurrenz als gewöhnlich. Erst in den umsatz- und emissionsärmeren Sommermonaten könnten sich unserer Ansicht nach wieder Engpässe abzeichnen. Da nach dem Ausverkauf an den Märkten derzeit jedoch alle EWU-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zwei bis 31 Jahren wieder eine Rendite oberhalb des EZB-Einlagesatzes aufweisen – deutsche Bundesanleihen eingeschlossen – sollte dieser Engpass am Kassamarkt aus heutiger Sicht nicht übermäßig groß sein. Nur bei einer erneuten spürbaren Verschiebung der Renditestrukturkurven der Euroländer nach unten, müsste diese Einschätzung wieder revidiert werden.

Am Repo-Markt gestaltet sich das Bild hingegen etwas anders als am Kassa-Markt. Da durch das PSPP der Pool an verfügbaren Sicherheiten in Form von EWU-Staatsanleihen aus Bankensicht immer kleiner wird, fallen die Repo-Sätze weiter. Eine Gegenbewegung hin zu steigenden Zinsen – wie zuletzt am Kassamarkt gesehen – war am Repo-Markt kaum zu beobachten. Das mit fortschreitender Programmdauer wachsende Missverhältnis von geringem Angebot und hoher Nachfrage nach hochwertigen Sicherheiten, wie etwa deutschen Bundesanleihen, dürfte dafür sorgen, dass sich die deutsche Repo-Kurve voraussichtlich weiterhin klar im negativen Bereich wiederfinden sollte. Knappheitstendenzen am Repo-Markt könnten sich dann perspektivisch auch auf den Kassa-Staatsanleihemarkt auswirken und hier in der Tendenz Renditeanstiegen entgegenwirken.

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