Japan: BIP-Wachstum im ersten Quartal überrascht positiv

Die japanische Wirtschaft ist im ersten Quartal 2015 mit +2,4 % (ggü. Vorquartal, annualisiert) deutlich kräftiger gewachsen als allgemein erwartet worden war. Getragen von einer Zunahme der Konsumausgaben und der Investitionen hat sich damit der aktuelle Aufwärtstrend bestätigt, nachdem das Land im Schlussquartal 2014 seine letzte Rezession überwinden konnte. Das Wachstum vom vierten Quartal wurde inzwischen von +0,4 % auf nun +1,1 % (ebenfalls Q/Q, annualisiert) hochrevidiert, für das Gesamtjahr 2014 ergibt sich aber unverändert eine BIP-Rate von -0,1 %.

Der jüngste Auftrieb ist eine gute Nachricht für die Regierung und die Notenbank insofern, als die Nachfrage der privaten Haushalte sich nun nach dem „Konsumsteuerschock“ vom letzten Jahr zu stabilisieren scheint. Das Wachstumstempo beim Konsum war mit +0,4 % (Q/Q, einfache Rate) in etwa so hoch wie im Vorquartal. Dies ist zwar keineswegs überschäumend, zeigt aber in die gewünschte Richtung. Damit sind im Prinzip gute Voraussetzungen gegeben, dass sich die Gewinne der Unternehmen verbessern können und der von der Regierung und der Bank of Japan so dringend angestrebte positive Kreislauf aus Verbesserungen der Profitabilität im Unternehmenssektor, der Löhne und Einkommen sowie der Konsum- und Investitionsnachfrage weiter festigt. Dieser Kreislauf ist wiederum die Voraussetzung zur endgültigen Überwindung der Deflationsmentalität, die Japan so lange im Griff hatte.

Ein gewisser Wermutstropfen aus den jüngsten Wachstumszahlen ergibt sich lediglich aus der Tatsache, dass weiterhin ein bedeutender Teil der Unternehmensinvestitionen in die Lagerhaltung geflossen ist, was für sich genommen allein einen positiven Wachstumsbeitrag von 0,5 Prozentpunkten ausgemacht hat. Vorräte sind aber Güter, die noch nicht verkauft sind und damit die künftigen Investitionspläne der Unternehmen wieder etwas dämpfen könnten.

Wir gehen aber davon aus, dass dieser „Lagerzyklus“ das weitere Wachstum nicht allzu sehr beeinträchtigt. Immerhin hat sich in den vergangenen fünf Monaten das Konsumklima deutlich verbessert, nicht zuletzt weil die Nachfrage nach neuen Arbeitskräften sehr hoch ist, was prinzipiell stabile bzw. weiter auf Expansion gerichtete Investitions- und Produktionspläne im Unternehmenssektor signalisiert. Die jüngsten Lohnabschlüsse zwischen +2,5 % bis +3,5 % sind die höchsten seit zehn Jahren und erlauben eine Stabilisierung des tatsächlichen Konsumwachstums, so dass der genannte positive Kreislauf in der Binnenwirtschaft immer stärker werden kann. Rückenwind erhält die japanische Wirtschaft zudem vom Außenhandel, einmal über eine sich zuletzt sehr gut entwickelnde Exportnachfrage, und auch von den zuletzt zwar etwas gestiegenen, aber weiterhin relativ moderaten Energiepreisen. Vor diesem Hintergrund sehen wir derzeit keine Veranlassung, an unserer relativ optimistischen Konjunktursicht für Japan etwas zu ändern. Wir bleiben bei unserer Prognose eines BIP-Wachstums von 1,2 % in diesem Jahr und von 1,8 % im nächsten Jahr.

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