EWU: Inflationsrate im Mai mit deutlichen Sprung – Deflation kein Thema mehr

Die harmonisierte Inflationsrate des Währungsgebiets hat im Mai nach vorläufigen Berechnungen wieder positives Terrain erreicht. Gegenüber dem Mai 2014 verteuerten sich die Güter im einheitlichen Warenkorb des Euro-Raums um 0,3 Prozent. Damit steigen die Verbraucherpreise im Jahresvergleich das erste Mal seit fünf Monaten wieder.

Basis für die Schnellschätzung der Inflationsentwicklung sind die Vorausmeldungen aus den großen Mitgliedsländern Deutschland, Italien und Spanien. Und hier hat sich der Anstieg der Verbraucherpreise schon im Vorfeld angekündigt. Während die Jahresrate des Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) in Deutschland von 0,3 Prozent im April auf 0,7 Prozent anzog, stieg sie in Italien von -0,1 auf 0,2 Prozent. In Spanien ermäßigte sich der Rückgang der Verbraucherpreise von -0,7 Prozent auf -0,3 Prozent.

Zwar wirken die Preise für Energiegüter im Warenkorb noch immer preisdämpfend. Sie fielen EWU-weit gegenüber dem Vorjahr um 5,0 Prozent niedriger aus. Demgegenüber verteuerten sich alle anderen Waren und Dienstleistungen. In der Untergruppe Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak zogen die Verbraucherpreise um 1,2 Prozent an, Dienstleistungen waren um 1,3 Prozent teurer und für Industrielle Güter ohne Energie mussten die Käufer 0,3 Prozent mehr ausgeben als im Vorjahr.

Damit zeigt sich, dass Deflation – in Sinne eines über alle Waren und Dienstleistungen breit angelegten Preisrückgangs – kein Thema mehr ist und eigentlich auch nicht war. Zwar ist der Preisauftrieb insgesamt noch schwach, aber die Verbraucherpreise steigen wieder, der Preisverfall dürfte damit überwunden sein. Die vorübergehende Phase einer rückläufigen Inflationsrate zwischen Dezember und März war maßgeblich auf den niedrigeren Rohölpreis zurückzuführen. Dieser Effekt verliert jedoch in den kommenden Monaten weiter an Kraft, sofern keine erneuten Turbulenzen am Ölmarkt auftauchen. Insofern ist mit Blick auf die Sommermonate mit einer weiter steigenden Inflationsrate zu rechnen. Auf Jahresbasis (Durchschnittswert 2015) kommt dies zwar in unserer Inflationsprognose von 0,1 Prozent wegen der rückläufigen Preistendenz zum Jahresanfang 2015 nicht wirklich zum Ausdruck. Zum Jahresende dürfte die Inflationsrate aber wieder auf die 1-Prozent-Marke zusteuern.

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