In Japan geht die Sonne auch 2015 auf, China läuft heiß

Nicht nur in China, auch in Japan sind die Bullen los: Der Nikkei steht über 20.000 Punkten und stieg zuletzt viele Tage in Folge an. Auch der marktbreite Topix schwingt sich stetig zu neuen Hochs. Zwischenzeitlich haben sich die japanischen Indizes an die Spitze der großen Industrieländer vorgearbeitet, weltweit übertraf, gemessen seit Jahresbeginn, bis heute nur der chinesische Hang Seng Index (in Euro +33%) den Anstieg des japanischen Nikkei-Index (+27%). Vordergründig wird diese überdurchschnittliche Entwicklung auf eine wachsende Zahl Aktien kaufender Pensionskassen zurückgeführt. Diese folgen dem Vorbild des staatlichen Pensionsfonds, der seit 2014 massiv aus Anleihen in Aktien umschichtet. Zusätzlich tritt auch die japanische Zentralbank als Käufer am Aktienmarkt auf, übernimmt jedoch im Vergleich geringere Positionen als der Staatsfonds. Tatsächlich überzeugt jedoch auch die Gewinnentwicklung der japanischen Konzerne. Diese haben in den letzten Quartalen umstrukturiert und Maßnahmen zur Effizienzsteigerung getroffen, die sich nun auszuzahlen beginnen. Der japanische Aktienmarkt gehörte weltweit zu den wenigen Märkten, an denen die (Unternehmens-)Gewinne schneller als die Kurse gestiegen sind. An den meisten anderen Börsen war eine gegenteilige Entwicklung zu beobachten.

Auch in diesem Jahr rechnet der Konsens mit einem Wachstum der Gewinne um 17%, für 2016 werden weitere 12% Anstieg erwartet. Diese dynamische Gewinnentwicklung spricht trotz der zwischenzeitlich gedehnten Bewertung (u.a. KGV-2015e: 16,9) für japanische Aktien, auch wenn die erwarteten Gewinnzuwächse tendenziell etwas zu optimistisch geschätzt sein dürften: Die Nachfrageschwäche aus den Emerging Markets und die Stärke des US-Dollars auf Einkaufseite dürften in den kommenden Monaten stärker belasten als bisher erwartet. Der japanische Aktienmarkt notiert zu realen Preisen immer noch gut 30% unter seinem Hoch aus dem Jahr 1990. Drängt die japanische Regierung Pensionskassen und Privatanleger weiter in die Aktienmärkte, könnte der japanische Aktienmarkt auch im zweiten Halbjahr durch eine überdurchschnittliche Kursentwicklung überzeugen.

In China hat der Aktienmarkt erstmalig seit Anfang Januar stärker korrigiert. Insbesondere die verschärften Anforderungen für einzubringende Sicherheitsleistungen bei Wertpapiergeschäften auf Kredit trugen zu diesem Rücksetzer bei. Im ersten Quartal war die Anzahl der Depots privater „Anleger“ um fünf Millionen gestiegen, Privatanleger sind nach verschiedenen Quellen zwischenzeitlich für knapp 90% des Börsenhandels verantwortlich. Verschiedene Leitindizes notieren deutlich über ihren historischen Durchschnitten, wie z.B. der 200-Tage-Linie, liegen aber noch unter den Allzeithochs aus 2007. Der Börsenboom könnte noch geraume Zeit weitergehen, weil die Chinesen weniger in Immobilien investieren möchten, dafür mehr in Aktien. Es ist allerdings sehr wahrscheinlich, dass das Ende des Aufschwungs erneut sehr schmerzhaft ausfallen wird.

 

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