S&P 500 in engster Handelsspanne seit 90 Jahren, in Europa erwarten wir Kursgewinne

Die Divergenzen an den Aktienmärkten haben sich zuletzt weiter ausgeweitet. Während die Aktienkurse in den USA weiterhin seitwärts tendieren, konsolidierten die Märkte Europas im Mai. Gemessen an der Differenz zwischen Jahreshoch und –tief, hat sich der S&P während der vergangenen 90 Jahre noch nie in einer so engen Handelsspanne wie in diesem Jahr bewegt. In China hat das spekulative Element unter den Anlegern weiter an Fahrt aufgenommen, Indizes wie der Shanghai Composite Index notieren zwischenzeitlich 60% über der 200-Tage-Linie und sind damit korrekturreif. Interessant bleiben für uns europäische Aktien mit hoher Dividendenrendite. Insgesamt sollten Aktieninvestoren weiterhin vorsichtig agieren, die Bewertung der Aktienmärkte ist weltweit stark strapaziert.

Während der amerikanische S&P 500-Index seit Jahresbeginn ohne große Schwankungen seitwärts mäandert, ist der Nasdaq Composite-Index zwischenzeitlich auf ein neues Hoch gestiegen. Der Index notiert nun gegenüber Jahresbeginn 8% höher. Am US-Aktienmarkt fehlt momentan die Fantasie, warum die Kurse wieder ansteigen sollen. Die Unsicherheiten über den weiteren Kurs der Fed belasten ebenso wie die Unklarheiten in Europa, hier speziell die Verhandlungen mit Griechenland. Die Gewinnerwartungen für die Unternehmen werden unverändert reduziert, wenngleich mit einem geringeren Tempo als noch zu Jahresbeginn. Die revidierten Gewinnaussichten gehen dabei maßgeblich auf das Konto des starken Dollar zurück, der die Unternehmen im Exportgeschäft bremst. Bemerkenswert ist, dass der Leitindex S&P 500, gemessen an der Differenz zwischen Jahreshoch und –tief, im bisherigen Jahresverlauf in einer sehr engen Handelsspanne von knapp 8% verweilt. Dies ist mit Abstand der niedrigste Wert, den wir für die vergangenen knapp 90 Jahre messen konnten, und ein weiteres Indiz dafür, dass die augenblickliche Ruhe am US-Aktienmarkt trügerisch sein könnte.

In Europa ist es an den führenden Märkten in den vergangenen Wochen erstmalig zu einer Konsolidierung der Kurse gekommen. Unser Weltbild hat sich dadurch nicht geändert. Die Konsolidierung hat aber eindrucksvoll gezeigt, dass der Aufschwung an den Aktienbörsen größtenteils durch die EZB induziert ist und damit auf unsicherem Fundament steht. Die aktuell erwarteten Gewinnsteigerungen im laufenden sowie im kommenden Jahr von jeweils rund 11% erscheinen vor dem Hintergrund des zusätzlichen Rückenwinds in Form niedriger Energiepreise und schwachem Euro erreichbar. Sollte die konjunkturelle Erholung dann in den nächsten Monaten, wie von uns erwartet, besser in Tritt kommen, könnten sich für die Unternehmen höhere Gewinne einstellen. Da positive Gewinnrevisionen in der Regel auch mit steigenden Kursen einhergehen, dürften auch für die Investoren noch höhere Kursgewinne möglich sein. Wir erwarten den Euro Stoxx 50 zum Jahresende bei 4.000 Punkten, den DAX bei 12.500 Punkten.

 

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