Spekulative Investoren geben Dollar-Yen Auftrieb – aber wie lange noch?

Das Währungspaar Dollar-Yen konnte in den vergangenen Wochen eine deutliche Anstiegsdynamik entwickeln. Ausgehend von Kursen um 120,00 JPY gelang der US-Devise dabei sogar zeitweise der Sprung über die Marke von 125,00 JPY – erstmals seit Ende 2002. Woher kommt diese Entwicklung?

Viele Kommentatoren führen die Aufwärtsbewegung auf einen zuversichtlicheren Ausblick für die US-amerikanische Wirtschaft zurück, fördert dieser doch Spekulationen zugunsten einer früheren Leitzinserhöhung seitens der Fed. Im Gegensatz dazu sei die Bank of Japan von ihrem Inflationsziel noch sehr weit entfernt und dürfte somit ihren geldpolitischen Lockerungskurs in absehbarer Zukunft fortsetzen.

So richtig diese Erklärungsansätze auf den ersten Blick auch erscheinen mögen, wirklich überzeugen können die Argumente nicht. Denn dass sich die japanische Inflationsrate auf niedrigen Niveaus bewegt, ist alles andere als überraschend. Zudem schüren die jüngst veröffentlichten Daten zur Lohnentwicklung Hoffnungen auf einen künftigen, nachfrageseitig getriebenen Anstieg der Teuerungsrate in Japan. Des Weiteren haben in den letzten Wochen zwar einige US-Konjunkturdaten positiv überrascht. Auf die Fed Funds Futures und damit auf die US-Leitzinserwartungen hatten sie jedoch keine nennenswerte Wirkung. So bewegten sich die entsprechenden Renditen nur moderat und notieren immer noch deutlich unterhalb der Niveaus vom Februar und März.

In unseren Augen ist die Bewegung in Dollar-Yen primär auf die Neupositionierung von spekulativen Investoren zurückzuführen. So zeigen die Daten der Derivatebörse in Chicago, dass die Yen-Short-Positionen im Mai deutlich angestiegen sind. War die Netto-Positionierung spekulativer Anleger vor rund fünf Wochen noch mehr oder weniger neutral, wurde zuletzt wieder ein Yen-Short-Überhang von über 62.000 Kontrakten ausgewiesen. Entsprechend anfällig erscheint vor diesem Hintergrund der jüngste Kursanstieg in Dollar-Yen. Eine Bewegung zurück in Richtung des seit Ende 2014 etablierten „Wohlfühlbereichs“ um 120,00 JPY ist demzufolge für die kommenden Wochen wahrscheinlich.

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