Devisenmarkt: Schlappe der AKP bei der Parlamentswahl setzt Lira massiv unter Abgabedruck

Die türkische Regierungspartei AKP hat bei den gestrigen Parlamentswahlen eine herbe Niederlage hinnehmen müssen. So erreichte sie nur 40,8% der Wählerstimmen. Damit erteilten die Wähler der von Staatspräsident Erdogan angestrebten Machtausweitung eine Absage, verfehlte die AKP doch die für eine Verfassungsänderung notwendige Mehrheit um Längen. Hinzu kommt, dass sie erstmals seit mehr als zwölf Jahren auch ihre absolute Mehrheit eingebüßt hat und nun zur Bildung einer Regierung auf einen Koalitionspartner angewiesen ist. Während im Vorfeld der Wahl davon ausgegangen wurde, dass die beiden großen Oppositionsparteien CHP (rund 25%) und MHP (etwa 16%) erneut den Einzug ins Parlament schaffen würden, überraschte die pro-kurdische Partei HDP. Diese schaffte erstmals in ihrer Geschichte den Sprung über die 10%-Hürde und zog damit ins Parlament ein. Hiermit machte sie der AKP einen Strich durch die Rechnung.

Die türkische Lira zeigte sich von dem Wahlausgang erwartungsgemäß tief verunsichert und gab sowohl gegenüber dem Euro als auch gegenüber dem US-Dollar spürbar nach. Dass sich die dortige Landeswährung sehr irritiert zeigt, ist allzu verständlich, ist es doch nun ungewiss, wie es politisch mit der Türkei weitergehen wird. Zwar wurde die AKP zunächst unter Erdogan und nun unter Davutoglu vielfach für ihren autoritäreren Führungsstil kritisiert, für die Finanzmärkte stand sie jedoch lange Zeit für den wirtschaftlichen Aufschwung der Türkei und für Wohlstand. Wie es derzeit aussieht, scheint keine der anderen, ins Parlament eingezogenen Parteien für eine Koalition mit der AKP zur Verfügung zu stehen. Von ranghohen AKP-Vertretern wurde bereits gestern Abend die Möglichkeit einer Minderheitsregierung mit baldigen Neuwahlen ins Gespräch gebracht. Die Ungewissheit, wie es politisch in der Türkei weitergehen wird, dürfte zum Leidwesen der Lira zunächst anhalten und sie weiter auf breiter Front unter Abgabedruck setzen. Und als ob dies nicht schon schwer genug für die türkische Landeswährung ist, dürften die am Mittwoch zur Veröffentlichung anstehenden BIP-Daten für Q1 auch noch auf ein schwaches Wachstum hindeuten. Für die AKP, welche sich stets Wachstum auf die Fahnen geschrieben hat, ein weiterer Schlag ins Gesicht.

 

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