Die OPEC fördert (erst einmal) munter weiter

Förderkartell muss über die kurzfristige „Erfolgsstrategie“ hinausdenken

Das 167. ordentliche Treffen der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) am vergangenen Wochenende in Wien erbrachte exakt das Ergebnis, das wir – sowie auch die Mehrheit der Marktteilnehmer – seit Wochen prognostiziert hatten: Ein „Weiter so“!

Die OPEC wird demgemäß ihre von Generalsekretär Abdallah El-Badri in der Pressekonferenz als „Guideline“ bezeichnete Kartell-Förderquote vorerst bei 30 Mio. Barrel pro Tag (mbd) belassen, wobei die dem OPEC-Meeting traditionell nachfolgende Presseerklärung im Gegensatz zum November-Treffen nunmehr zumindest einen Passus enthielt, der die Einhaltung dieser Produktions-Obergrenze (sanft) anmahnt. Wir verstehen diese Formulierung aber weniger als Fanal einer bevorstehenden strikten Produktionsdisziplin des Zwölfer-Bundes, sondern eher als Aufruf, dass zuletzt erreichte Kartell-Produktionsniveau von ~31 mbd nicht noch weiter zu überschreiten. In diesem Kontext sei darauf verwiesen, dass die OPEC die seit Dezember 2011 gültige Förderquote von 30 mbd in den vergangenen 42 Monaten exakt 32-mal (also in mehr als 75% der Fälle) – zum Teil sehr deutlich – überschritten hat.

Die OPEC-Produktionsentscheidung war vor dem Hintergrund der sich mittlerweile konkretisierenden Erfolge der von Saudi-Arabien (bzw. der Golf-OPEC) im November – noch gegen den Widerstand einiger Kartellmitglieder (z.B. Algerien, Iran, Venezuela) – durchgedrückten „neuen Förderstrategie“ von den meisten Marktbeobachtern erwartet worden. So zeigen sich insbesondere in den – im Jahre 2014 geradezu enthemmt Schieferöl produzierenden – USA inzwischen klare Tendenzen einer niedrigpreisbedingten Output-Entschleunigung. Angesichts (a) des offensichtlichen OPEC-Wirkungstreffers gegen die (den OPEC-Export-Marktanteil bedrohende) US-Konkurrenz, (b) des reanimierten Nachfragewachstums und (c) des zuletzt immerhin wieder auf 60-65 USD stabilisierten Brent-Rohölpreises schraubten am Wochenende sogar die ehemaligen „Strategie-Nörgler“ aus Teheran ihre Kritik an der saudischen „Der-Markt-wird’s-schon-richten-Politik“ bis zur Unhörbarkeitsgrenze zurück.

Ungeachtet der Zufriedenheit über den erreichten Anfangserfolg täte die OPEC aber gut daran, über die kurze Frist hinauszudenken. Zum einen sinken die marginalen Grenzkosten in den USA bedingt durch fortgesetzte Technologieverbesserungen á la „Super-Fracking“ und „Pad Drilling“ sowie sinkende Service-Kosten infolge der massenweisen Außerbetriebnahme von Bohrtürmen und Fracking-Crews, so dass die bei den gegenwärtigen WTI-Rohölpreisen um 60 USD noch an einer „Förder-Reintensivierung“ zweifelnden US-Unternehmen in absehbarer Zeit mit diesem Niveau ordentlich zurechtkommen sollten. Zum anderen muss sich die OPEC Gedanken darüber machen, wie sie mit den perspektivisch steigenden Produktionen im Irak und im Iran umgehen will, so diese absehbar steigenden Erzeugungsmengen in Bagdad und Teheran nicht durch die externen Faktoren einer stärker in die irakischen Ölregionen im Süden (Basra) und Nordosten (Autonome Region Kurdistan) marodierenden IS-Terrorgruppe und ein Scheitern der „P5+1+1-Gespräche“ verhindert werden.

Mit Blick auf die Rohölpreise hat die allgemein erwartete OPEC-Entscheidung des Wochenendes faktisch keine sichtbaren Spuren in den Rohöl-Terminkurven (Brent und WTI) hinterlassen. Für die kommenden Monate rechnen wir – vor dem Hintergrund einer sich im 2H2015 saisonal belebenden Nachfrage und einer sich anspannenden Angebots-/Nachfrage-Relation – weiterhin mit sanft steigenden Rohölpreisen, die zum Jahresende 72,50 USD (Brent) bzw. 67,50 USD (WTI) erreichen sollten.

Für das Jahr 2016 spricht ceteris paribus unseres Erachtens alles für Rohölpreise im Bereich von 70-80 USD. Dies stellt unseres Erachtens das (gleichwohl fragile) Kompromissniveau dar, bei dem (1) die US-Schieferölindustrie mit „entschleunigtem“ Tempo von ~0,5 mbd wächst, (2) die („klammen“) OPEC-Staaten mit hohem Breakeven-Rohölpreis ihre Staatsbudgets mit Ach und Krach (und Ausgabenstreichungen) finanziert bekommen und (3) die globale Rohölnachfrage ihren (im Jahre 2016 stärker konjunkturgestützten) Wachstumskurs von >1 mbd fortsetzen kann.

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