Kanzlerin Merkel begibt sich aufs währungspolitische Parkett

Als gäbe es nicht schon genügend Baustellen, scheint Kanzlerin Merkel jetzt unter die Währungspolitiker gehen zu wollen. Zunächst lief nur die Kurzmeldung über den Ticker „Merkel: Starker Euro behindert Reformen“. In der Vorwoche war es noch ihr Amtskollege Obama, dem unterstellt wurde, den Dollar als übermäßig fest kritisiert zu haben. Ähnlich schnell wie auch Obamas Kommentare dementiert wurden, lassen sich aber auch die Worte von Frau Merkel relativieren. Bei genauer Lektüre zeigt sich, dass es nicht etwa um Kritik am aktuellen Euro-Kurs ging, sondern um Lob für die EZB-Lockerungspolitik, die verhindert habe, dass der Euro zu stark hätte aufwerten können (Konjunktiv). Ohnehin hätte eine so starke Kritik nicht in die offizielle Hierarchie der Währungsfragen gepasst. Typischerweise äußern sich Regierungschefs erst in letzter Instanz zur Überbewertung ihrer Währung. Zuvor sind die Finanzminister am Zuge, und das am besten noch im Rahmen eines G7-Finanzministertreffens, bei dem internationale Währungsfragen regelmäßig Thema sind.

Parallel dazu wären im Falle eines Falles noch die Geldpolitiker gefragt, die den Wechselkurs aufgrund des Einflusses auf die Importpreise beäugen. Auf diesem Kanal ist es ungewöhnlich still um die EZB geworden, obwohl sie mit dem Wiedererstarken des Euro seit dem Tief vom April kaum einverstanden sein dürfte. Unter dem Strich bleibt der Eindruck, dass die Kritik an dem zu festen Euro-Wechselkurs seitens Frau Merkel nicht so recht passen will. Es lauern noch genügend politische Fallstricke für den Euro, sodass Europas Offizielle gut beraten wären, nicht noch währungspolitisches Öl ins Feuer zu gießen und Merkels Euro-Kritik hoffentlich nicht der Auftakt zur nächsten Runde von Verbalinterventionen ist.

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