Private Haushalte in Deutschland: Höhere Einkommenszuwächse in diesem, schwächere im nächsten Jahr

Die privaten Haushalte in Deutschland können im laufenden Jahr auf hohe reale Einkommenszuwächse hoffen. Dass die Bürger mehr Geld in der Tasche haben, ist einer guten Lohnentwicklung und Sondereffekten, wie der verbesserten Mütterrente oder der Einführung eines Mindestlohns zu verdanken. Zu der erhöhten Kaufkraft, die von den Einkommenszuwächsen ausgeht, tragen auch niedrige Inflationsraten bei, die vor allem in den ersten Monaten zu beobachten waren. Im nächsten Jahr dürften die nominalen Einkommenszuwächse auch ohne Sondereffekte kaum schwächer ausfallen. In realer Rechnung fällt das Einkommensplus 2016 dagegen kleiner aus.

Nach den jüngsten Tarifabschlüssen in größeren Branchen können sich die Arbeitnehmer über ein deutliches Plus auf dem Gehaltszettel freuen. Unter Berücksichtigung eines anhaltenden Beschäftigtenzuwachses und der Einführung des Mindestlohnes zu Jahresbeginn dürften die Bruttolöhne und –gehälter in Deutschland in diesem Jahr um 3,9 und 2016 um 3,7 Prozent wachsen. Mit ähnlichen Steigerungsraten (4,0 bzw. 3,7 Prozent) ist bei den Rentenauszahlungen zu rechnen. Neben den Rentenanhebungen am 1. Juli tragen Maßnahmen des jüngsten Rentenreformpaketes zu den erhöhten Auszahlungen bei. Hierzu gehören die verbesserten Renten für Mütter, deren Kinder vor 1992 geboren wurden, oder die abschlagsfreie Rente mit 63 nach 45 Beitragsjahren. Während die Auszahlungen der gesetzlichen Rentenkasse kräftig steigen, bremst eine schrumpfende Zahl an Leistungsempfängern den Anstieg anderer Sozialleistungen ab.

Ein Schönheitsfehler in der insgesamt recht positiven Einkommensentwicklung privater Haushalte sind die anhaltend niedrigen Zinsen. Je länger die Niedrigzinsphase andauert, desto mehr alte, höherverzinsliche Anlagen laufen aus und die Zinseinkünfte der Bürger aus Einlagen, Rentenpapieren und Versicherungen schrumpfen immer weiter. Im Vergleich zum Durchschnittszinsniveau von Ende der 90er Jahre bis zu Beginn des laufenden Jahrzehnts führt das geringe Zinsniveau in diesem Jahr zu Einkommenseinbußen von rund 71 Mrd. Euro. Da kurz- bis mittelfristig keine Rückkehr zu einem „normalen“ Zinsniveau in Sicht ist, sind auch im nächsten Jahr kaum Impulse für die Einkommensentwicklung zu erwarten. Dafür dürften die Betriebsüberschüsse und die Einkommen der Selbstständigen vom insgesamt recht positiven und vor allem stabilen Konjunkturumfeld profitieren.

In der Summe sollten die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte in Deutschland in diesem Jahr um 3,0 Prozent wachsen. Bei mäßiger Inflation könnte mit einem Plus von 2,6 Prozent der höchste reale Einkommensanstieg der letzten Jahre erreicht werden. 2016 dürfte der nominale Zuwachs mit 2,7 Prozent kaum schwächer ausfallen als in diesem Jahr. Allerdings ist mit weiter anziehenden Teuerungsraten zu rechnen, so dass das reale Einkommensplus im nächsten Jahr auf gut ein Prozent sinkt.

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 0

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *