Griechenland: Spannung auf der Zielgeraden

Nach bislang zähen Verhandlungen hat die griechische Verhandlungsseite am Montag den Institutionen doch noch eine neue Reformvorschlagsliste vorgelegt, die gegenwärtig Grundlage der Gespräche ist. Das Gesamtvolumen der geplanten Maßnahmen soll bis 2016 7,9 Mrd. Euro betragen. Die Kreditgeber bewerten die Vorschläge als solide Gesprächsgrundlage. Nichtsdestotrotz könnten die Gläubiger die angedachten Maßnahmen, auch vor dem Hintergrund der zuletzt deutlich niedrigeren Steuereinnahmen, als unzureichend betrachten, um die Primärüberschussziele zu erreichen.

Einigten sich beide Seiten auf eine Reformliste, könnten Hilfsgelder an Griechenland ausgezahlt werden. Ein kurzfristiger partieller Zahlungsausfall würde somit abgewendet werden. Fraglich ist aber nach wie vor, ob es zwischen Griechenland und den Gläubigern ein neues Abkommen geben wird, nachdem das jetzige am 30.6. ausläuft. Neben einem etwaigen neuen Hilfsabkommen könnte auch ein Schuldenschnitt diskutiert werden, den vor allem Griechenland fordert. Würden Zins- und Tilgungszahlungen für einige Jahre gestundet, so wie etwa von dem österreichischen Bundeskanzler Faymann jüngst angesprochen, könnte Griechenland in einem günstigen Fall sogar ohne neue Hilfsgelder auskommen.

Da die Verhandlungen über ein neues Schuldenabkommen versus Schuldenschnitt ebenfalls schwierig sein dürften, ist auch ein abgestufter Einigungsprozess denkbar. Widerstand gegen einen Kompromiss droht unterdessen aus Griechenland. Eine zunehmende Anzahl an Syriza-Abgeordneten sperrt sich gegen einen Kompromiss mit der Troika. Erhielte Tsipras nur mit Hilfe der Opposition eine Mehrheit im Parlament, wären Neuwahlen kaum abwendbar.

Der Markt nimmt unterdessen eine Einigung vorweg und blendet die Risiken und offenen Fragen weitestgehend aus. Anleihen der Peripherie sind heute stark nachgefragt, und griechische Bonds erleben seit gestern ein regelrechtes Kursfeuerwerk.

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