„Worry top-down, invest bottom-up“

Ein möglicher Austritt Griechenlands aus dem Euro würde die Märkte stressen. Jedoch liegen die mit einem möglichen „Grexit“ verbundenen finanziellen Risiken maßgeblich bei den Staaten und dem Vertrauen in den Euro. Der Aktienmarkt hingegen verbrieft das private Kapital von Unternehmen und Investoren und sollte einen möglichen Austritt Griechenlands relativ zügig verdauen können.

Das große Bild für Dividendenpapiere bleibt unverändert bestehen: niedrige Zinsen und ein stabiles Weltwirtschaftswachstum sind geeignet, die Kurse für Aktien weiter anzutreiben. Insbesondere die massive Geldmengenexpansion der Notenbanken wirkt preistreibend. Dies ist heute in Teilbereichen des Wirtschaftskreislaufs deutlich zu sehen, besonders bei Anleihen, Immobilien und Kunstgegenständen. Weil andere Assetklassen immer höher bewertet werden, ziehen auch die Aktienkurse nach. Sollten eines Tages auch die Verbraucherpreise stark ansteigen, könnten Aktien sogar noch einen zusätzlichen Schub bekommen. Investoren könnten dann „harte“ Assets bevorzugen und auf Aktien als partielle Hedges gegen Inflation setzen. Wenn es um den realen Kapitalerhalt geht, bleiben Aktien somit aus unserer Sicht langfristig alternativlos.

Anleger sollten sich über die aktuellen Krisen „top-down“ Gedanken machen und diese durchaus auch in ihre Anlageentscheidungen einfließen lassen. Für den langfristigen Anlageerfolg ist es jedoch sinnvoll, sich nicht von zu vielen Themen gleichzeitig lenken zu lassen. Letztlich zählt nicht die Marktmeinung, sondern die Überzeugung von der eigenen Analyse. Und hier gelten unverändert drei Grundprinzipien: Anleger schützen sich vor Verlusten am besten durch eine gute Analyse, einen günstigen Einstandspreis und Diversifikation im Portfolio. Andere Faktoren sind wenig relevant.

Wendet man diese Prinzipien auf die aktuelle Bewertung der Assetmärkte an, zeigt sich, dass der Spielraum für Kapitalanleger äußerst eng geworden ist. Günstige Einstandskurse gibt es weder bei Anleihen noch bei Aktien der ersten oder zweiten Kategorie. Manche Märkte, wie z.B. der US-Aktienmarkt, sind nicht nur anhand des Kurs-Gewinn-Verhältnis sehr hoch bewertet, sondern auch im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt. Gleichwohl kann die zunehmende Verknappung von Aktien durch Rückkaufprogramme den US-Markt durchaus noch treiben. An den – von Deutschland aus gesehen – Randlagen finden sich durchaus noch Chancen. Dazu gehören heute Märkte wie Japan und Korea, zukünftig vielleicht auch die Aktienmärkte Brasiliens, Russlands und der Türkei. Dies sind momentan die einzigen Märkte weltweit, an denen die Bewertung keine stark steigenden Unternehmensgewinne verlangt.

Zieht die Fed in den kommenden Quartalen die Zinsen an, könnten US-Aktien fallen. Auch in Europa gehen wir davon aus, dass die Aktienkurse in einem Jahr tiefer stehen werden als heute, weil das bis Herbst 2016 laufende Staatsanleihenkaufprogramm der EZB zunehmend ausgepreist wird. Dann würde sich die Bewertung dieser Märkte auch wieder attraktiveren Niveaus nähern.

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