Vorsicht bei der Interpretation der Jugendarbeitslosenquote

Die EWU-Arbeitslosenquote hat sich mit 11,1 Prozent im Mai nicht von der Stelle bewegt. So lautet die relativ unspektakuläre Nachricht der heute veröffentlichten Arbeitsmarktstatistik für den Euroraum. Blickt man auf die Entwicklung der vergangenen Monate, bewegt sich die Quote auf einem Pfad der leichten Erholung und bleibt damit im Rahmen der Erwartungen. Neben dieser Zahl wird stets auch die Jugendarbeitslosenquote veröffentlicht. Im Gegensatz zur Gesamtrate sorgt sie aufgrund der hohen Niveaus, vor allem in Spanien mit 49,3 Prozent oder Griechenland mit 49,7 Prozent, regelmäßig für Schlagzeilen (Euro-Raum: 22,1 Prozent). Doch sagt uns eine Jugendarbeitslosenquote von 50%, dass jeder zweite Jugendliche in dem betreffenden Land tatsächlich arbeitslos ist?

Die Jugendarbeitslosenquote misst die Zahl der „aktiv“ Arbeitssuchenden im Verhältnis zur Summe der aktiv Arbeitssuchenden und der Beschäftigten im Alter zwischen 15 und 24 Jahren – also aller, die dem Arbeitsmarkt tatsächlich zur Verfügung stehen. Da nicht jeder Jugendliche aktiv nach Arbeit sucht, ist die Zahl der jungen Erwachsenen, die sich als suchend gemeldet haben, deutlich geringer als die tatsächliche Höhe an Jugendlichen ohne Arbeit. Das gilt für die Alterskohorte der 15 bis 24-Jährigen ganz besonders, denn viele Jugendliche in diesem Alter sind Schüler oder Studenten. Sie werden in der Regel über das Elternhaus versorgt oder erhalten staatliche oder private Transfers wie beispielsweise Bafög oder Stipendien. Zudem entscheiden sich in Ländern mit einer hohen Arbeitslosenquote derzeit besonders viele Jugendliche für ein Studium, weil sie sich geringere Chancen auf dem Arbeitsmarkt ausrechnen. Diese Jugendlichen stehen dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung. Bei der Jugendarbeitslosenquote wird also nur eine Untergruppe der 15 bis 24-jährigen betrachtet. Wenn wir für Spanien eine Jugendarbeitslosenquote von 49,3 Prozent lesen, bedeutet dies nicht, dass jeder zweite Jugendliche arbeitslos ist, sondern jeder zweite derjenigen, die wirklich dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Dies wird häufig fehlinterpretiert.

Alternativ bietet die europäische Statistikbehörde den „Jugendarbeitslosen-Anteil“ an. Anders als bei der Jugendarbeitslosenquote wird die Gruppe der aktiv Arbeitssuchenden durch Anzahl aller jungen Erwachsenen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren gebildet, also einschließlich Schüler und Studenten. Diese Quote fällt im Falle Spaniens mit 19,0 Prozent im Jahr 2014 zwar weiterhin hoch aus, liegt aber deutlich unter der Jugendarbeitslosenquote und sogar ein Stück weit unter der Gesamt-Arbeitslosenquote von 24,5 Prozent.

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