Japan: Tankan berichtet von Stimmungsverbesserung

Die Stimmung und die Erwartungen bei Japans großen Industrieunternehmen sind doch deutlich besser als dies jüngste Wirtschaftszahlen – wie etwa die rückläufigen Daten zur Industrieproduktion vom Mai – haben vermuten lassen. Die vierteljährliche Tankan-Umfrage der Bank von Japan berichtet für das zweite Quartal 2015 von einem Anstieg des Stimmungsindexes um drei Punkte auf 15. Damit ist dieser Diffusionsindex auf den höchsten Stand seit März 2014 geklettert. Bei den Großunternehmen aus den nicht-industriellen Sektoren stieg er sogar auf 23 Punkte, nach einem Indexstand von 19 im letzten März.

Das Ausmaß der jüngsten Stimmungsverbesserungen bei Japans Unternehmen korreliert allerdings sehr stark mit der jeweiligen Unternehmensgröße. Während die Gesamtheit aller befragten Großunternehmen einen Stimmungsanstieg von 16 auf 19 Punkte äußerte, blieb der Index bei der Gesamtheit aller befragten Kleinunternehmen unverändert auf dem relativ bescheidenen Niveau von 2 Punkten. Offensichtlich sehen sich die kleineren Unternehmen einem schärferen Wettbewerbsumfeld mit geringeren Gewinnmargen gegenüber und können wohl auch die gestiegenen Kosten etwa von Versorgungsdienstleistungen oder von importierten Vorleistungen nicht im selben Umfang auf ihre Verkaufspreise aufschlagen wie dies Großunternehmen tun können. Bei den Großunternehmen handelt es sich zudem in vielen Fällen um solche aus exportintensiven Branchen, die vom derzeit niedrigen Außenwert des Yen, und hier vor allem gegenüber den Ländern aus dem Dollarraum einschließlich wichtiger asiatischer Nachbarländer profitieren.

Geht man davon aus, dass die großen Unternehmen, die besonders positive Stimmungsveränderungen gemeldet haben, auch ihre gleichzeitig geäußerten Pläne zur Ausweitung ihrer Investitionsvorhaben wahr machen, bestehen gute Chancen, dass der Konjunkturaufschwung weiter geht und sich festigen kann. Nach dem überaus starken Wirtschaftswachstum von 3,9 Prozent im ersten Quartal (Q/Q, auf Jahresrate hochgerechnet) war ja schon verschiedentlich die Sorge geäußert worden, dass für das zweite Quartal ein deutlicher Rückschlag möglich sei.

Auch wenn die Industrieproduktion zuletzt leicht rückläufig war, besagt der jüngste Tankan-Index gleichwohl, dass es derzeit keine akuten Rückschlaggefahren für die japanische Konjunktur zu geben scheint. Die von Premierminister Abe lange geforderten und nun auch zum Gutteil gewährten nominellen Lohnerhöhungen stellen für die Unternehmen zwar zunächst zusätzliche Kosten dar, über die besonders die kleineren Unternehmen klagen. Aber letztlich sind sie eine Voraussetzung dafür, dass sich die Konsumnachfrage noch stärker belebt und sich in Japan der angestrebte positive „Zirkelkreis“ aus höherer Nachfrage, Unternehmensgewinnen, Beschäftigungs- und Einkommenszuwächsen verwirklichen lässt. Auf diese positiven Kreislaufwirkungen stellt ja das Wirtschaftskonzept der „Abenomics“ ab. Die Bank von Japan wird den weiteren Konjunkturverlauf in diesem Jahr auf jeden Fall mit einer weiterhin extrem expansiven Geldpolitik begleiten.

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