Griechenland: Neue Collateral-Bedingungen, aber das Hauptproblem bleibt die fehlende Liquidität

Die EZB hat gestern entschieden, die Notfallliquiditätshilfen (ELA) für griechische Banken konstant bei 89 Mrd. Euro zu belassen. Dennoch hat die Notenbank es nicht unterlassen, eine weitere Warnung gegenüber der Regierung in Athen auszusprechen, indem sie die Abschläge auf Collateral, das griechische Banken als Sicherheit für ELA-Kredite einreichen, auf durchschnittlich 45% erhöht hat. Zu diesen Sicherheiten gehören vor allem Staats-, Banken- und Unternehmensanleihen aber auch Kredite. Die verschärften Kapitalanforderungen sind in erster Linie den Kursverlusten an den Märkten geschuldet. Zwar greift die höhere Kapitalanforderung sofort, der Puffer der von den Banken eingereichten Assets reicht vorerst jedoch, sodass die Banken noch nicht gezwungen sein werden, ELA-Kredite zurückzuzahlen. Sollten die Abschläge aber weiter erhöht werden, könnte dies die schwach kapitalisierten Banken auch in Bedrängnis bringen. Bereits heute besteht ein nennenswerter Teil des Eigenkapitals des Sektors aus Steuerforderungen gegenüber dem Staat.

Das wesentlich akutere Problem griechischer Banken liegt jedoch in der fehlenden Liquidität. Weiterhin schöpfen die griechischen Bürger ihr Limit für Abhebungen an Geldautomaten von nach wie vor 60  Euro pro Tag und Konto voll aus. Damit sinken die Kontoeinlagen täglich um etwa 200 Mio. Euro. Das ELA-Limit wird wegen des hohen Liquiditätsabflusses somit innerhalb weniger Tage erreicht werden. Tritt dieser Fall ein, sitzt die griechische Wirtschaft finanziell sprichwörtlich auf dem Trockenen. Die bereits einbrechenden Umsätze dürften dann nochmals stark zurückgehen.

Die Illiquidität des Staates und der Banken birgt aber noch weitere Risiken. Am 8. Juli ist eine Bill-Auktion angesetzt, in welcher der Staat 1,25 Mrd. Euro Einnahmen erzielen möchte. Am 10. Juli steht wiederum eine Bill-Rückzahlung in Höhe von 2 Mrd. Euro an. Der Staat wird auf die Einnahmen angewiesen sein, um die genannte Rückzahlung leisten zu können. Fallen die Geschäftsbanken aber als Käufer der Bills aus, beruht die letzte Hoffnung auf der griechischen Notenbank. Springt diese als Käufer der Bills ein, dürfte klar sein, dass die Solvenz Griechenlands inzwischen nur noch am seidenen Faden der monetären Staatsfinanzierung hängt.

Der nächste Stolperstein, bevor am 20. Juli eine von der EZB gehaltene Anleihe mit einem Volumen von 3,5 Mrd. Euro fällig wird, ist bereits am 14. Juli. Dann muss Griechenland einen Samurai-Bond mit einem Volumen von knapp 90 Mio. Euro zurückzahlen. Wenngleich die Summe vergleichsweise gering ist, ist nicht sicher, ob Griechenland die Zahlung stemmen kann. Verfehlt Griechenland aber die Rückzahlung der Bills oder des Samurai-Bonds bleibt den Ratingagenturen keine Wahl, als das Rating des Landes auf „Default“ zu setzen. Die Nicht-Rückzahlung der Anleihe, die die EZB hält, bliebe in Bezug auf das Rating hingegen wahrscheinlich erst einmal folgenlos. Die Forderungen der EZB als öffentlicher Gläubiger sind für die Ratingagenturen nicht von primärer Bedeutung.

Tritt der Zahlungsausfall offiziell ein, steigt auch das unmittelbare Graccident-Risiko. Auch bei Wiederaufnahme der Verhandlungen mit den Kreditgebern könnte sich die EZB gezwungen sehen, das Default-Rating zum Anlass zu nehmen, ELA zu stoppen, was zur Insolvenz des griechischen Bankensektors führte. Griechenlands Zukunft im Euro ist damit ungewisser denn je.

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