Konjunkturausblick Griechenland: Schwere Rezession voraus

Nach dem Referendum in Griechenland ist die finanzielle Zukunft in Athen ungewisser denn je. Das Risiko ist durchaus beträchtlich, dass Griechenland während der anstehenden Verhandlungen mit den Institutionen gezwungen ist, sich auf einen beginnenden Grexit, ausgelöst durch eine Beendigung der Notfallliquiditätshilfen (ELA), zumindest vorzubereiten. Wir halten es in unserem Hauptszenario aber für wahrscheinlich, dass selbst ein beginnender Grexit nochmals beendet werden kann und das Land nicht auf Dauer aus dem Euro ausscheidet.

Selbst wenn der Grexit letztlich vermieden werden kann, sehen wir für Griechenland dennoch den Rückfall in eine schwere Rezession. Die politischen und finanziellen Turbulenzen werden auf die Ausgabebereitschaft von Unternehmen und privaten Haushalten voll durchschlagen. Hinzu kommt, dass der griechische Staat faktisch insolvent ist, sodass auch der Staatsverbrauch die gesamtwirtschaftliche Nachfrage bremsen wird. Daher gehen wir in unserer angepassten Prognose von einem Einbruch der Wirtschaftsleistung in diesem Jahr von -2,0 Prozent aus. Im kommenden Jahr dürfte sich die Rezession bei der Betrachtung des Jahresdurchschnitts mit einem Minus von -3,8 Prozent noch verschärfen, auch wenn wir den Tiefpunkt der Krise bereits im dritten Quartal dieses Jahres sehen.

So notwendig ein zweiter Schuldenschnitt und Laufzeitverlängerungen gegenwärtig erscheinen, werden sie kaum ausreichend sein, um die langfristige Tragfähigkeit der griechischen Staatsfinanzen sicherstellen zu können. Nur wenn sich die ökonomischen und politischen Rahmenbedingungen in Griechenland derart ändern, dass in den kommenden Jahren ein Primärüberschuss und die Rückkehr zu einem soliden Wirtschaftswachstum erzielt werden können, wird Griechenland der Schuldenfalle entkommen können. Dies ist allerdings vorerst nicht in Sicht.

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