US-Berichtssaison: Die Messlatte liegt niedrig

Am Mittwoch startet in den USA die Berichtssaison zu den Ergebnissen des 2. Quartals. Wie üblich, wird dabei der Aluminiumkonzern Alcoa als Leithammel den Auftakt gestalten. Am Donnerstag folgt dann mit Pepsico ein weiteres Börsenschwergewicht mit Zahlen. Das Gros der Zahlenflut folgt in den kommenden drei Wochen, über tausend Berichte stehen zur Veröffentlichung an.

Der Blick auf die Konsensschätzungen des Datenanbieters Factset verheißt zunächst wenig Gutes. Bezogen auf den Leitindex S&P 500, dürfte den US-Unternehmen im 2. Quartal ein Gewinnrückgang von 4,5% ins Haus stehen. Andere Konsensermittler erwarten sogar stärkere Einbrüche. Sollten die Gewinne tatsächlich in dieser Größenordnung gesunken sein, wäre dies der erste Gewinnrückgang seit dem 3. Quartal 2012. In Stein gemeißelt ist hier zunächst aber nichts: Schon für die Zahlen zum 1. Quartal rechneten Analysten vor der Berichtssaison zunächst mit einem Einbruch der Gewinne um 5%, letztlich stiegen diese im Nachhinein aber um 1% an. Auch jetzt könnten die Analysten zu pessimistisch gewesen sein, schließlich haben sich die US-Frühindikatoren der Industrie zuletzt gebessert. Außerdem ist davon auszugehen, dass sich die Unternehmen zwischenzeitlich besser auf den Störfaktor „starker US-Dollar“ eingestellt haben beziehungsweise hier zwischenzeitlich eine erste Kurs-Gegenbewegung stattgefunden hat. Der harte Greenback hatte in den vergangenen zwölf Monaten die Margen der exportstarken Unternehmen, speziell aus den Sektoren Technologie, Konsumgüter und Pharma, deutlich unter Druck gesetzt.

Neben dem starken US-Dollar ist der im Vorjahresvergleich deutlich niedrigere Ölpreis hauptverantwortlich für die momentane Wachstumsschwäche der S&P 500-Unternehmen. Werden die US-Energie-Konzerne aus der Gesamtbetrachtung ausgeklammert, sieht die Gewinnsituation der verbleibenden Unternehmen deutlich besser aus. Für den Index S&P 500 „ex Energy“ scheint im zweiten Quartal ein Gewinnanstieg in einer Größenordnung von knapp 3% möglich.

Im Jahresausblick rechnen wir für das Jahr 2015 mit im Vergleich zu 2014 stagnierenden Unternehmensgewinnen. Auch hier belastet der Gewinnrückgang der Energiekonzerne.

Nach der nachrichtenarmen Zeit steht den US-Börsen mit der bevorstehenden Berichtssaison nun wieder eine willkommene Abwechslung bevor, die zuletzt belastende Themen wie die Griechenland-Krise überlagern sollte. Wir gehen jedoch nicht davon aus, dass die Unternehmenszahlen gut genug ausfallen werden, um dem seit Jahresanfang stagnierenden US-Aktienmarkt neue Schubkraft zu verleihen. Bedrohlich nahe rückt nun auch die bevorstehende Leitzinswende. Zieht die Fed in den kommenden Quartalen die Zinsen an, könnten US-Aktien tendenziell unter Druck geraten. Viele Konzerne haben in der Vergangenheit die tiefen Zinsen genutzt, um die eigene Verschuldung zu erhöhen und große Aktienrückkaufs- und Dividendenprogramme zu starten. Mit den ersten Zinsschritten würden solche Programme zunehmend erschwert. Der US-Aktienmarkt ist zudem sehr hoch bewertet, und dies nicht nur anhand des Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18 für 2015. Andere Aktienmärkte erscheinen uns momentan attraktiver.

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