Themenwechsel in der Arbeitsmarktdebatte

Die letzten zehn Jahre waren gute Jahre für den deutschen Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosigkeit ist auf einen nachhaltigen Abwärtstrend eingeschwenkt und die Einkommen der Beschäftigten sind wieder stärker angestiegen. Bis etwa 2005 hatte es noch so ausgesehen, als gäbe es für die Arbeitslosenquote in Deutschland nur eine Richtung: nach oben. Die Wende zum Positiven haben unter anderem die über lange Jahre zurückhaltende Tarifpolitik und eine entschiedene Reformpolitik zustande gebracht.

In den kommenden Jahren werden sich die Themen in der Arbeitsmarktdebatte allerdings voraussichtlich grundlegend ändern. Die Unternehmen müssen mit einer zunehmend alternden Belegschaft und einem sinkenden Fachkräfteangebot zurechtkommen. Der Wettbewerb um gut qualifizierte Fachkräfte wird sich noch intensivieren. Die Arbeitskosten werden über eine längere Zeit deutlich stärker ansteigen und die Wettbewerbsfähigkeit der in Deutschland produzierenden Unternehmen unter Druck setzen. Wenn das Angebot auf dem Arbeitsmarkt hierzulande knapper wird und die Kosten steigen, werden noch mehr Unternehmen über eine Abwanderung ins Ausland nachdenken.

Unsere aktuelle Studie zeigt, dass für die kommenden 15 Jahre ein Abwärtstrend in Beschäftigung und Wirtschaftsleistung angelegt ist, der sich mit kurzfristigen Maßnahmen auch nicht mehr umkehren lässt. Es sollte allerdings alles dafür getan werden, den Rückgang der Wachstumsmöglichkeiten so stark wie möglich abzumildern. Daher sollte die Wirtschaftspolitik ihre Energie darauf lenken, die verfügbaren Arbeitskräfte so gut wie möglich zu qualifizieren (Stärkung der Aus- und Weiterbildung), ihnen eine Beteiligung am Erwerbsleben zu ermöglichen (Ausbau der Kinderbetreuung, Flexibilisierung des Renteneintrittsalters), sowie eine qualifizierte Einwanderung nach Deutschland zu fördern. Maßnahmen, die zu einem früheren Ausscheiden von Fachkräften aus dem Berufsleben führen, weisen dagegen genau in die falsche Richtung.

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