Anstieg der Wohnungspreise in Europa etwas beschleunigt

Die vierteljährlich von Eurostat veröffentlichte Entwicklung der Hauspreise teilt derzeit das Schicksal vieler anderer Meldungen: Sie geht in der News-Flut zur Griechenland-Krise und zum drohenden Grexit einfach unter. Das ist schade, denn die gelieferten Daten liefern interessante Details zum Zustand der europäischen Wohnungsmärkte. Erfreulich ist, dass sich die Erholung der Märkte fortsetzt, nachdem die Preise im Durchschnitt der 19 Euroländer nach zwei Verlustjahren 2014 wieder ins Plus gedreht haben. Im ersten Quartal 2015 konnte der Preisanstieg zudem weiter Fahrt aufnehmen. Es ging mit 0,9 Prozent etwas schneller als in den beiden vorangegangen Dreimonatsperioden aufwärts, die mit 0,4 beziehungsweise 0,2 Prozent nur leicht über der Nulllinie lagen. Wird die Europäische Union insgesamt betrachtet, fällt die Dynamik noch etwas größer aus. Hier lag das Jahresplus bei 2,5 Prozent, nachdem für die Vorgängerquartale jeweils 2,2 Prozent gemeldet wurden.

Dass es bei den Wohnungspreisen im Euroraum nicht zügiger aufwärts geht, liegt vor allem an den beiden großen „Bremsern“ Frankreich mit einem Minus von 1,6 Prozent und Italien mit einem etwa doppelt so ausgeprägten Preisrückgang. Belastend wirkt sich in beiden Ländern die schwache gesamtwirtschaftliche Entwicklung aus, bei der Grande Nation schlägt sich zudem das vergleichsweise hohe Preisniveau nieder. In den beiden anderen Schwergewichten der Eurozone geht es dagegen moderat aufwärts: Deutschlands Preise steigen mit 2,4 Prozent (Q4/2014) aber langsamer, als es die gute Immobilienkonjunktur im Land erwarten lässt. Kaum langsamer, das unterstreicht den Aufschwung auf der iberischen Halbinsel, geht es in Spanien mit 1,6 Prozent voran. Die fünftgrößte Volkswirtschaft der Eurozone konnte ebenfalls eine schwere Immobilienkrise überwinden. Die niederländischen Wohnungspreise steigen gleichauf mit den deutschen. Auch Portugal liegt leicht im grünen Bereich. Dagegen weist die Mehrzahl der kleinen Euroländer hohe Wachstumsraten auf, allen voran Irland mit fast schon erschreckend hohen 16,8 Prozent.

Für den im Vergleich zum Euroraum schnelleren Preisauftrieb in der gesamten EU ist vor allem Großbritannien verantwortlich, mit einer starken Verteuerung um 8,5 Prozent. Allerdings hat sich auf der britischen Insel der Preisanstieg etwas verlangsamt, in den drei Vorquartalen wurden noch zweistellige Jahresveränderungsraten gemeldet. Außerhalb der Eurozone weisen aber auch die Wohnungspreise von Dänemark, Schweden und Ungarn mit 6,5 Prozent, 11,6 Prozent und 9,7 Prozent hohe Zuwachsraten auf. Mit über 8 Prozent ziehen die Preise auch beim Nicht-EU-Mitglied Norwegen kräftig an.

Ohne die Minus-Werte von Frankreich und Italien mit ihrem Anteil am Bruttoinlandsprodukt von fast 40 Prozent im Euroraum beziehungsweise fast 30 Prozent in der EU lägen die durchschnittlichen Wohnungspreise noch deutlich stärker im Plus. So unterschlägt der abgebremste EU-Durchschnittswert den starken Preisanstieg in vielen, von Großbritannien abgesehen, kleineren europäischen Ländern. Vielfach wird hier das Risiko von Preisblasen am Immobilienmarkt, deren Entstehung von den anhaltend niedrigen Zinsen unterstützt wird, noch von einer hohen Verschuldung der privaten Haushalte verstärkt. Positiv ist, dass die Zentralbanken und Aufsichtsbehörden dafür heute viel sensibler sind und vielfach ihr Instrumentarium mit den so genannten makroprudentiellen Instrumenten, beispielsweise verschärften Kreditvergabestandards, erweitert haben.

Wie es am hellenischen Immobilienmarkt aussieht, diese Frage kann mit den neuen Eurostat-Zahlen leider nicht beantwortet werden: Für Griechenland werden keine Werte geliefert.

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