Geringes Griechenland-Engagement deutscher Unternehmen

Die Griechenlandkrise hat sich nach dem „Oxi“ der Griechen zu den Reformvorschlägen der Institutionen vom letzten Sonntag weiter verschärft. Deutsche Unternehmen sind davon aber nur noch in geringem Ausmaß betroffen. Ihr Engagement in Griechenland hat sich im Vergleich zu den Jahren vor der Krise deutlich verringert.

Die deutschen Ausfuhren nach Griechenland sind bereits zu Beginn der Griechenland-Krise stark eingebrochen: 2012 erreichten sie nur noch weniger als 60 Prozent ihres Werts aus dem Jahr 2008. Auf diesem niedrigen Niveau entwickelten sie sich danach zwar weitgehend stabil. Griechenland ist aber dennoch von Platz 27 der wichtigsten Handelspartner Deutschlands im Jahr 2008 auf Rang 38 im letzten Jahr abgerutscht und liegt damit zwischen Irland und Malaysia.

Zudem hat sich die Struktur der exportierten Güter verändert. So sorgten 2008 Maschinen und Kraftfahrzeuge noch für fast 30 Prozent der gesamten deutschen Exporte nach Griechenland. In den ersten vier Monaten dieses Jahres waren es nur noch 17 Prozent. Angestiegen ist dagegen die Bedeutung von Lebensmitteln und Medikamenten.

Diese Entwicklung gilt auch für die Importe Griechenlands aus den anderen Ländern. Daran zeigt sich, dass der Bedarf an bestimmten Gütern wie Nahrungsmitteln und Medikamenten eher von der Anzahl der Einwohner bestimmt wird als von der wirtschaftlichen Entwicklung. Zudem sind Nahrung und Medikamente lebensnotwendig, so dass eine ausreichende Versorgung der griechischen Bevölkerung mit diesen Gütern auch in Zukunft sichergestellt bleiben müsste. Bedeutendstes Importgut Griechenlands ist aber die Energie.

Im Gegensatz zu den Exporten sind die deutschen Importe aus Griechenland langfristig weitgehend stabil geblieben. Sie machen jedoch lediglich 0,2 Prozent der gesamten deutschen Einfuhren aus. Hauptimportgut sind inzwischen griechische Spezialitäten. Damit sind auf der Importseite mittlerweile die deutschen Lebensmittelgroß- und ‑einzelhändler die bedeutendsten Handelspartner für griechische Exporteure.

Trotz des griechischen Tourismusbooms der Jahre 2013 und 2014 ist auch die deutsche Reisebranche nicht stärker abhängig von griechischen Zielen geworden. Der Anstieg bei den ausländischen Gästezahlen in Griechenland war insbesondere auf Reisende aus Osteuropa und Asien zurückzuführen. Bankenschließungen und lange Schlangen vor den Geldautomaten dürften der Tourismusbranche allerdings deutlich schaden.

Insgesamt lässt sich festhalten, dass die Bedeutung Griechenlands für die deutschen Unternehmen seit Beginn der Krise stark zurückgegangen ist. Da die derzeit angespannte finanzielle und politische Lage des Landes auch die wirtschaftliche Situation spürbar in Mitleidenschaft ziehen dürfte, werden die Exporte deutscher Waren nach Griechenland mittelfristig wohl weiter zurückgehen.

Artikel bewerten


Vielen Dank für Ihre Wertung. Ihre Wertung:
Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste! Aktuelle durchschnittliche Bewertung des Artikels: 0

Hinterlasse eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *