Niederlande verhageln Statistik zur Euro-Industrieproduktion

Die EWU-Industrieproduktion ist im Mai mit einer saisonbereinigten Rate von -0,4 Prozent gegenüber dem Vormonat unerwartet geschrumpft. Bereits im Vormonat enttäuschten die April-Daten (unverändert ggü. März). Nimmt man die beiden Monate April und Mai zusammen, wirkt das zweite Quartal bisher eher schwach. Das ist überraschend, berücksichtigt man die ausgesprochen positiv gestimmten Frühindikatoren wie beispielsweise die Einkaufsmanagerbefragungen im verarbeitenden Gewerbe. In den drei größten Volkswirtschaften – Deutschland, Frankreich und Italien – lagen die Wachstumsraten im Mai im Rahmen der Erwartungen, im Falle Italiens sogar deutlich darüber. Hier lässt sich zumindest nicht ablesen, dass der Erholungspfad zuletzt Schrammen abbekommen haben könnte.

Woher kommt dann der unerwartete Rückgang? Ein Blick in die Komponenten verrät: Die Erzeugung von Energiegütern, also Öl, Gas, Kohle etc. ging deutlich zurück. Dabei war der geringere Output keinesfalls flächendeckend im gesamten Euro-Raum zu beobachten. Fast der gesamte Anteil ging auf ein Land in Mitteleuropa zurück: die Niederlande. Dort wurde die Förderung eines der größten europäischen Gasfelder, in Groningen, im April vorübergehend eingestellt und liegt seither still. Die Gewinnung von Öl und Gas brach daraufhin allein im Mai um knapp 60 Prozent ein. In der zweiten Jahreshälfte 2015 soll die Produktion wieder heraufgefahren werden, allerdings um rund ein Viertel geringer sein als bisher veranschlagt.

Ein weiterer außerordentlicher Faktor war in den Niederlanden zu beobachten: Hier lastete weiterhin die Schließung der weltgrößten Produktionsstätte eines bekannten Tabakproduzenten stark auf der Wachstumsrate des verarbeitenden Gewerbes. Doch nicht nur die niederländische Produktion verzeichnete im Mai einen Einbruch. Neben der griechischen Industrie, die seit März schwere Rückgänge verkraften musste, belastete auch Irland die Statistik. Allerdings sind heftige Schwankungen in der irischen Industrieproduktion, wie sie im Mai zu beobachten waren, nicht ungewöhnlich. Der starke Einbruch war vor allem auf eine Produktionsdelle im High-Tech- und chemisch/pharmazeutischen Bereich zurückzuführen.

Wie geht es in den nächsten Monaten weiter? Die Einkaufsmanager im verarbeitenden Gewerbe bleiben für den Euro-Raum im expansiven Bereich und sprechen damit erst einmal für eine Fortsetzung der Erholung in diesem Sektor. In den Niederlanden und Irland dürfte nach dem Einbruch im Mai im Folgemonat Juni sehr wahrscheinlich mit einer kräftigen Gegenbewegung zu rechnen sein. Damit könnten die beiden schwachen Vormonate, April und Mai, nochmals ausgeglichen werden. Mit Blick auf das dritte Quartal signalisieren Stimmungsindikatoren weiterhin einen positiven Ausblick für das verarbeitende Gewerbe des Euro-Raums. Unserer Einschätzung nach dürfte der bisherige Erholungskurs damit weiterhin intakt sein.

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