Niedrigere Ölpreise dämpfen Inflationsausblick

Seit Anfang Juli hat der Ölpreis merklich nachgegeben. Lag die Notierung für das Nordseeöl Brent in den beiden Vormonaten noch deutlich über der 60-Dollar-Marke, so bewegt sie sich in den letzten zwei Wochen unterhalb von 58 US-Dollar pro Fass. In zahlreichen Volkswirtschaften macht sich dies bei der ohnehin schon schwachen Inflationsentwicklung bemerkbar. Energiegüter werden nochmals spürbar günstiger und sorgen dafür, dass die Inflationsraten auch in den kommenden Monaten sehr niedrig bleiben werden.

In Deutschland hat die Inflationsrate – gemessen am europäisch harmonisierten Preisindex HVPI – bereits im Juni merklich nachgegeben: Sie fiel von 0,7 Prozent im Vormonat auf nur noch 0,1 Prozent. Neben den gesunkenen Energiepreisen spielten dabei auch günstigere Preise für Fernreisen und die geänderten Richtlinien bezüglich der Maklerprovisionen eine Rolle. Die Inflationsrate dürfte nun angesichts des flachen Ölpreistrends bis in den Spätherbst sehr niedrig bleiben und erst zum Jahreswechsel wieder über die 1-Prozentmarke ansteigen. Im Jahr 2016 liegt die deutsche Teuerungsrate dann mit durchschnittlich 1,3 Prozent etwas höher als im EWU-Durchschnitt, vor allem da die Löhne hierzulande schneller steigen als in den meisten anderen EWU-Ländern.

Auch im Euro-Raum insgesamt ist nun mit einem noch verhalteneren Inflationsbild zu rechnen. Für die EWU erwarten wir 2015 nun eine Teuerungsrate, gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI), von lediglich 0,2 Prozent. Im kommenden Jahr 2016 dürfte der Preisauftrieb aufgrund des niedrigeren Ölpreises etwas geringer als bisher erwartet ausfallen. Wir gehen jetzt von einem Anstieg der Inflationsrate auf 1,1 Prozent (vorher: 1,2 Prozent) aus. Für die USA erwarten wir in diesem Jahr eine Inflationsrate von 0,3 Prozent und im kommenden Jahr in Höhe von 2,3 Prozent. Allen Ländern gemeinsam ist also ein – wenn auch gemäßigter – Anstieg der Inflationsrate im kommenden Jahr, bedingt vor allem durch das erwartete Auslaufen des Energiepreiseffektes, der die Teuerungsraten im laufenden Jahr so stark nach unten gedrückt hat.

Für einige der ölproduzierenden Länder haben wir unsere Wachstumsprognosen zuletzt nach unten angepasst. Neben den niedrigeren Erlösen aus dem Ölexport spielen dabei jedoch auch einige länderspezifische Belastungsfaktoren eine Rolle. So dürfte Russland, das dieses Jahr eine schwere Rezession durchmacht, auch im Jahr 2016 noch nicht aus der tiefen Krise herausfinden. Wir gehen davon aus, dass aufgrund des Einnahmeausfalls auch die Staatsausgaben massiv gekürzt werden müssen, mit negativen Folgen für das Wirtschaftswachstum. Die Sanktionen gegen Russland werden wohl über das Jahresende hinausgehen und auch im nächsten Jahr einen Wiederaufschwung der russischen Wirtschaft erschweren. In Lateinamerika dürften vor allem Brasilien, Mexiko und Venezuela eine schwächere Wirtschaftsentwicklung aufweisen als bislang veranschlagt. Insgesamt haben wir unsere Prognose für das globale Wachstum 2016 von 3,5 auf 3,3 Prozent zurückgenommen, nach 3,1 Prozent im laufenden Jahr.

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2 Kommentare

Matthias Koeffler

Sehr geehrter Herr Bielmeier, danke für Ihre interessante Einschätzung. Auch Ihre konkrete Einschätzung der Höhe im kommenden Jahr ist ihrer Konkretion interessant. Sehen Sie die Möglichkeit, dass die Aufkäufe von Staatsanleihen durch die EZB und der kommendes Jahr eintretende statistische Effekt sich verstärken, so dass die Inflationsrate dann sozusagen einen doppelten Push bekommt?
Mit freundlichem Gruß
Koeffler

Stefan Bielmeier

Sehr geehrter Herr Köffler, diese Gefahr sehe ich nicht. Die höhere Geldmenge kommt zurzeit nicht in die Realwirtschaft an. Der Investitionszyklus und damit das Kreditwachstum ist hierfür zu schwach.

Mit besten Grüßen

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