Türkische Lira unter Druck

Die türkische Lira befindet sich derzeit auf breiter Front auf Talfahrt und verlor in den vergangenen Tagen gegenüber dem US-Dollar rund 5,8% an Wert. Gegenüber dem Euro musste die türkische Landeswährung sogar Kursverluste von etwa 7% hinnehmen.

Als ob die fundamentalen Probleme des Landes zusammen mit der anhaltenden politischen Unsicherheit und der näher rückenden US-Leitzinswende für die EM-Währung nicht schon schwerer Ballast wären, sieht sie sich nun noch mit weiteren Belastungsfaktoren konfrontiert. Zu diesen zählt zum einen die global gestiegene Risikoaversion. Zurückzuführen ist diese auf die aufgekommene Furcht des Marktes vor einem „Hard Landing“ der chinesischen Wirtschaft. Deutlich werden diese Befürchtungen auch in dem drastischen Ausverkauf am chinesischen Aktienmarkt. Zum anderen machen der zugespitzte Konflikt im türkisch-syrischen Grenzgebiet und die Ungewissheit, ob sich dieser auf das ganze Land ausbreiten wird, der Lira schwer zu schaffen. Dabei steht weniger der Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat als vielmehr der seit mehreren Dekaden währende innertürkische Konflikt mit der kurdischen Minderheit im Mittelpunkt. Der im Jahr 2013 mühsam ausgehandelte Waffenstillstand mit der kurdischen Arbeiterpartei PKK ist hinfällig. Auf Antrag der Türkei wird es morgen ein Sondertreffen der NATO geben. Die bei den Parlamentswahlen Anfang Juni überraschend gut abgeschnittene Kurdenpartei HDP wirft Staatspräsident Erdogan vor, den Konflikt bewusst zu schüren. Der Vorwurf des innenpolitischen Taktierens angesichts der massiven Stimmenverluste seiner Partei bei den jüngsten Parlamentswahlen und der stockenden Koalitionsverhandlungen steht im Raum. Sollte bis Ende August keine Koalition gebildet werden, stehen im Herbst Neuwahlen an. Politischen Beobachtern zufolge erhofft sich Erdogan von einem erneuten Urnengang die absolute Mehrheit seiner AKP.

Wir rechnen aktuell mit keiner unmittelbar bevorstehenden Entspannung der Lage. Weitere Kursverluste der Lira sind daher in den nächsten Tagen einzukalkulieren. Mit Blick auf Euro- und Dollar-Lira sollte ein Überwinden der markanten Höchststände von Anfang Juni nicht verwundern.

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