Aktienstrategie – Analysten trauen Aufschwung nicht

In früheren Marktphasen war es häufig zu beobachten: Je höher die Kurse steigen, desto positiver werden die Analystenempfehlungen und umgekehrt. Ob dieses Verhalten aus der Verwendung von Trendfolgemodellen oder einfach aus einem allgemeinen Herdentrieb resultiert, spielt eigentlich keine wesentliche Rolle. Entscheidend ist, dass Investoren, wenn sie den optimistischen Analysteneinschätzungen gefolgt sind, über kurz oder lang meist beträchtliche Verluste erlitten haben. Auf der anderen Seite sind den Investoren in Phasen negativer Analysteneinschätzungen meist beträchtliche Gewinne entgangen. Allerdings zeigt sich im aktuellen Bullenmarkt ein deutlich anderes Bild. Seit 2012 hat sich bei den Analysten keine besonders positive Stimmung mehr eingestellt. Und obwohl die Börsen aktuell nahe den Höchstständen notieren, zeigen sich die Analysten mit Ihren Empfehlungen inzwischen sehr zurückhaltend. Die Einschätzungen sind aktuell ähnlich negativ wie in den letzten Rezessionsphasen. Dies ist sowohl in Europa als auch in den USA zu beobachten.

Die Gründe für diese Zurückhaltung scheinen vielfältig zu sein. Die Weltkonjunktur kommt nicht so richtig in Schwung. Rückläufige Rohstoffpreise entlasten zwar insgesamt die Wirtschaft, drücken aber auch eine gewisse Skepsis insbesondere gegenüber der ohnehin rückläufigen konjunkturellen Entwicklung in China aus. Griechenland, der Ukraine-Konflikt und andere politische Krisen drücken auf die Stimmung.

Die Hausse war in den letzten Jahren mehr durch eine ultra-expansive Notenbankpolitik als durch eine erfreuliche Gewinndynamik genährt, was Aktien im Allgemeinen teuer machte. Auch die aktuell hohe Bewertung der Aktienmärkte sehen viele Analysten inzwischen als Bremsklotz für die weitere Kursentwicklung. Auf der anderen Seite sind Investoren weiterhin stark auf der Suche nach Rendite. Im Rentenbereich sind auskömmliche Renditen, wenn überhaupt, nur dann möglich, wenn immer größere Risiken akzeptiert werden.

Wir denken nicht, dass die Hausse am Aktienmarkt vorbei ist. Die Mehrzahl der Analysten ist eher pessimistisch, und auch das europäische Investorenvertrauen war zuletzt rückläufig. Von allzu starkem Optimismus bzw. Euphorie scheinen wir somit aktuell noch weit entfernt zu sein. Obwohl die Hausse nun bereits seit sechs Jahren läuft, deuten viele Anzeichen darauf hin, dass wir noch nicht am Ende angekommen sind.  Unserem Kursziel zum Jahresende 2015 im DAX von 12.500 Punkten und im Euro Stoxx 50 von 4.000 Punkten steht somit, getragen durch den aktuellen Pessimismus an den Märkten, weiterhin nichts im Wege. Dann könnten auch die Analysten wieder ihre vorsichtige Haltung aufgeben.

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