Frankreich: Was treibt den privaten Verbrauch an?

Die jüngsten Erholungszeichen aus der französischen Wirtschaft werden zu einem erheblichen Teil von einer besseren Entwicklung des privaten Verbrauchs getragen. Damit werden die Ausgaben der privaten Haushalte für Konsumzwecke immer wichtiger als Stabilitätsanker für die Wirtschaft in unserem größten Nachbarland. Die schlechte Lage am Arbeitsmarkt dürfte die Konsumdynamik im langfristigen Vergleich aber auf einem unterdurchschnittlichen Niveau gehalten haben. Allerdings kommt bei einer hohen Arbeitslosigkeit auch das französische Sozialstaatsmodell zum Tragen, wo die sogenannten Lohnersatzleistungen im internationalen Vergleich recht großzügig bemessen sind.

Zentral für die Verbesserung des Konsums ist die Entwicklung der realen verfügbaren Einkommen bzw. der Kaufkraft der französischen Privathaushalte. Nach zwei Jahren in Folge mit rückläufiger Kaufkraft gab es 2014 erstmals seit 2011 wieder einen Anstieg um 1,1 Prozent. Ein wichtiger Faktor für die deutliche Verbesserung der Kaufkraft im vergangenen Jahr war sicherlich der rapide Verfall des Ölpreises im zweiten Halbjahr 2014. Neben der Entwicklung der verfügbaren Einkommen ist für die Konsumdynamik auch die Kreditvergabe für Konsumzwecke relevant. Seit Juni 2014 kommt das Kreditwachstum wieder in Gang, sodass die privaten Haushalte wieder eine zunehmende Finanzierungsbasis für ihre privaten Konsumausgaben haben.

So erfreulich die deutlichen Erholungszeichen beim privaten Verbrauch sind: Sie reichen nicht aus, um einen dauerhaft höheren Wachstumspfad für die französische Wirtschaft zu realisieren. Auch wenn der sozialistische Staatspräsident Hollande einige Reformen angegangen ist, gibt es nach wie vor große Baustellen, die gerade die Erholung am französischen Arbeitsmarkt behindern. Der derzeitige konjunkturelle Rückenwind gibt der französischen Staatsführung Spielraum, weitere Reformen entschlossener anzugehen. Nur dann wird sich eine höhere Konsumdynamik in Verbindung mit besseren mittel- bis langfristigen Wachstumsperspektiven in einem Abbau der hohen Arbeitslosigkeit niederschlagen. Dies ist allerdings derzeit nicht in Sicht, sodass sich auch die Konsumdynamik im kommenden Jahr wieder abschwächen sollte.

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