Euro-Abwertung wird mit Verzögerung in Preisen sichtbar werden

Die Abwertung  des Euro gegenüber den wichtigsten Handelspartnern hat bisher nur bei wenigen Gütergruppen die Preise beeinflusst. Am deutlichsten ist der Effekt noch bei den Energiepreisen. So ist beispielsweise der Ölpreis in Euro gerechnet weniger stark gefallen als in US-Dollar. Die Industriegüterpreise ohne Energie sind aber weiterhin stabil – im Juli waren sie unverändert auf Vorjahresniveau. Die Euro-Abwertung ist also noch nicht bei den Preisen von Endprodukten – und damit in der Inflationsrate – angekommen.

Eine Wechselkursänderung arbeitet sich nur mühsam durch die Wertschöpfungskette. Grob gesagt macht sie sich zunächst bei den Importpreisen bemerkbar, frisst sich mit einigen Monaten weiter bis zu den Erzeugerpreisen und dürfte sich mit erneut einigen Monaten Verzögerung dann auf die Endverbraucher überwälzen – die Preissetzungsspielräume der Unternehmen sollten sich im Zuge der Erholung der Euro-Konjunktur verbessern. Die Zeitspanne für dieses Durchwirken beträgt nach historischer Erfahrung zwischen sechs und zwölf Monaten. Die stärksten preissteigernden Wirkungen der Euro-Abwertung dürften damit in die ersten Monate des kommenden Jahres fallen.

Um den Jahreswechsel und in den ersten Monaten 2016 wird die Inflationsrate auch durch einen Basiseffekt bei den Energiepreisen stark erhöht sein. In Verbindung mit dem Abwertungseffekt dürfte das vorübergehend die Inflationsrate kräftig nach oben ziehen. Dabei handelt es sich aber nur um einen kurzzeitigen Ausreißer. In den Folgemonaten sollten dann beide Effekte schon wieder etwas auslaufen und die Inflationsrate auf einen leicht flacheren Preispfad führen.

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