US-Zinswende rückt näher

Die US-Notenbank hat in der jüngeren Vergangenheit deutlich hervorgehoben,
dass eine Änderung der geldpolitischen Ausrichtung maßgeblich von der Entwicklung
des US-Arbeitsmarktes abhänge. Der jüngste Job-Report reiht sich ein in eine
lange Liste anhaltend guter Meldungen zur Lage am Arbeitsmarkt. So sind seit Anfang
des Jahres in der US-Wirtschaft im Durchschnitt rund 210.000 neue Stellen
pro Monat geschaffen worden. Die Arbeitslosenquote liegt mit rund 5,3% nahe dem
Vollbeschäftigungsniveau.

Die derzeit sehr hohe Unsicherheit bezüglich des korrekten Zeitpunkts der USZinswende
liegt insbesondere an den niedrigen Inflationsraten. Der starke USDollar,
der niedrige Rohölpreis und ein nur moderater Anstieg der Löhne deuten auf
einen anhaltend niedrigen Preisdruck in den Vereinigten Staaten hin. Außerdem
bereitet die Entwicklung der Weltwirtschaft einigen Fed-Mitgliedern Sorge.

Umfragen unter Ökonomen sehen die Wahrscheinlichkeit einer Zinswende im September
bei rund 50%. Auch am Terminmarkt wird eine Zinsanhebung für diesen
Termin lediglich mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 50% gesehen. Solange die
Marktteilnehmer in ihren Erwartungen so gespalten sind, wäre der Finanzmarkt unseres
Erachtens lediglich unzureichend auf die Zinswende vorbereitet worden, sollte
die Fed tatsächlich auf der kommenden FOMC-Sitzung handeln.

Unabhängig davon, ob es schon im September zum ersten Zinsschritt kommt: die
Zinswende in den USA rückt näher. Vor dem Hintergrund des schwachen Lohndrucks
hätte die Fed zwar eigentlich noch Zeit. Allerdings stellte die US-Notenbank-
Chefin selbst bei verschiedenen Reden eine Straffung der Geldpolitik noch in diesem
Jahr in Aussicht. Die Fed agiert somit weniger datengetrieben als in der Vergangenheit.
Sie bringt zum Ausdruck, dass sie die Zinsen erhöhen will, auch wenn
die Wirtschaftsdaten nicht unbedingt eine Erhöhung zum jetzigen Zeitpunkt erfordern.
Eine Prognose über den konkreten Zeitpunkt der ersten Zinserhöhung wird
damit noch schwieriger, den Äußerungen der FOMC-Mitglieder zu diesem Thema
in den kommenden Wochen kommt somit eine erhebliche Bedeutung zu.

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