Kurswechsel in Chinas FX-Politik

Nachdem die chinesischen Konjunkturdaten in der letzten Zeit eher auf der schwächeren Seite überrascht hatten, greift Chinas Regierung jetzt tiefer in die Trickkiste der geldpolitischen Lockerung und lässt den Yuan-Referenzkurs um 2% abwerten. Das tägliche Fixing des USD-CNY-Referenzkurses lag am Dienstagmorgen bei 6,2298 CNY, die korrespondierende Marktreaktion in USD-CNY hat zum größten CNY-Tagesverlust der Geschichte geführt. Chinas Notenbank betont, dass es sich um eine „einmalige“ Abwertung handelt, deutet aber zeitgleich eine neue, nicht näher spezifizierte Methode des täglichen Fixings an. Wir gehen davon aus, dass sich der tägliche PBoC-Referenzkurs stärker am marktseitig geprägten USD-CNY-Schlusskurs orientieren wird, was im aktuellen Umfeld für eine weitere CNY-Schwäche sprechen würde.

Weder die globale USD-Stärke noch die geldpolitischen Lockerungen in China noch die schwachen Konjunkturdaten noch die Börsenturbulenzen hatten sich bislang in einem nennenswert schwächeren Yuan-Kurs niedergeschlagen. Vielmehr hatte USD-CNY seit März praktisch unverändert notiert, was angesichts der Belastungsfaktoren nur durch offizielle Stabilisierungseingriffe (=Interventionen) gelungen sein dürfte. Dafür spricht auch, dass der USD-CNY-Kurs im laufenden Jahr systematisch am oberen Rand der zulässigen Handelsspanne notiert, und nicht wie eigentlich gewünscht in deren Mitte. Insofern ist die heutige Abwertung sowohl längst überfällig als auch fundamental absolut angemessen.

Bei der Wertung des Schrittes sollte zudem die handelsgewichtete Entwicklung des Yuan bedacht werden. Aufgrund ihrer De-facto-Anbindung an den US-Dollar hat Chinas Währung die globale USD-Stärke der letzten Quartale importiert und gegenüber den meisten anderen Währungen weltweit spürbar aufgewertet. Die jüngste Abwertung um 2% hat diesen Effekt nicht einmal annähernd neutralisiert, was die internationale Kritik und den Vorwurf einer kompetitiven Abwertung im Keim ersticken sollte. Sollte der IWF diese Interpretation teilen, gäbe es auch keinen Konflikt bei der Tauglichkeitsprüfung des Renminbi als Währung im Korb der Sonderziehungsrechte.

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