Nun also China

Man dachte eigentlich, dass man nach den Aufregungen rund um Griechenland zumindest einen ruhigen Sommer haben würde. Nun hat sich aber China entschlossen, den Referenzkurs seiner Währung um 2% abzuwerten und damit der schwachen wirtschaftlichen Entwicklung entgegenzuwirken. Heute gaben die Kurse noch einmal nach, dies ist aber eher eine technische Reaktion als eine weitere aktive Abwertung.

Die Abwertung des Yuan wurde – wie immer – staatlich verordnet und war keine Marktreaktion auf die zuletzt sehr schwache wirtschaftliche Entwicklung. Nachdem sich bisher weder die globale USD-Stärke noch die geldpolitischen Lockerungen in China, die schwachen Konjunkturdaten sowie die Börsenturbulenzen in einem nennenswert auf den Yuan-Kurs niedergeschlagen hatten, war die Abwertung längst überfällig und auch fundamental angemessen.

Die internationalen Aktienmärkte haben aber trotzdem sehr negativ auf die Entwicklungen in China reagiert. So hat der DAX seit gestern knapp 5% verloren. Hintergrund für diese in allen Industrieländern zu beobachtende Entwicklung ist die zunehmende Sorge, dass die chinesische Wirtschaft in den kommenden Monaten noch stärker abbremst und die Wachstumsdynamik deutlich an Schwung verliert. Eine solche Entwicklung würde nicht spurlos am Weltwachstum vorbei gehen. Insbesondere die Industrieländer, wie Deutschland, würden in einem solchen Fall merkliche Einbußen beim Export hinnehmen müssen. Damit würde jedoch insgesamt das Risiko steigen, dass die sowieso nur geringe Wachstumsdynamik wieder spürbar nachlassen würde. Denn auch der eigentliche Wachstumstreiber, die Binnennachfrage, sollte dann merklich an Schwung verlieren.

Eine solche Entwicklung ist aus meiner Sicht jedoch unwahrscheinlich. Vielmehr sollten die getroffenen Maßnahmen in China dazu beitragen, dass sich das dortige Wirtschaftswachstum stabilisiert, wenn auch auf einem relativ niedrigen Niveau. Ferner gibt es für die chinesische Regierung immer noch die Möglichkeit, die wirtschaftliche Entwicklung durch direkte fiskalische Maßnahmen zu stützen, wenn auch hier der Spielraum durch die bereits erfolgten Programme in den letzten Jahren kleiner geworden ist. Damit sollte sich die in den letzten Quartalen stabile Wachstumsdynamik in den Industrieländer auch entsprechend fortsetzen.

Insgesamt erscheint die Reaktion an den Finanzmärkten als übertrieben, da die implizierte, deutliche Wachstumsabschwächung so wohl nicht eintreffen wird.

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Ein Kommentar

Die Märkte haben sich doch wieder stabilisiert. Ich denke, gerade vor der Militärparade wird die chinesische Regierung alles versuchen, um Unruhefaktoren zu beseitigen.

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