Ein großer Schritt für China, aber nur ein kleiner für die Menschheit

Die währungspolitische Entscheidung der chinesischen Notenbank vom Dienstag schlägt noch immer hohe Wellen, auch außerhalb des Devisenmarktes. Gemessen an dem medialen Interesse sind wir Zeuge einer Zeitenwende, je nach Quelle stehen wir nur am Beginn eines weltweiten Abwertungswettlaufs oder gar am Anfang der nächsten großen Weltwirtschaftskrise. Beides halten wir für maßlos übertrieben.

Die Kursbewegung des Yuan seit Dienstag ist insofern einzigartig, als dass es nie zuvor in der Geschichte der modernen Finanzmärkte einen so starken CNY-Tagesverlust zum US-Dollar gegeben hatte. Sowohl die Dynamik als auch die Richtung sind ungewohnt, schließlich waren die Märkte seit der Abkehr vom starren Fixkurssystem 2005 gewohnt, eine Garantie für Yuan-Aufwertungen zu besitzen. Seit Anfang 2014 hat sich hier ein schleichender Wandel vollzogen, der in der jüngsten Entwicklung seine Krönung gefunden hat: Chinas Währung kann tatsächlich nicht nur auf-, sondern auch abwerten.

So bahnbrechend dies für China auch sein mag, ist es im globalen Kontext weitaus weniger einschneidend. Der Yuan mag seit Anfang August die schwächste Währung weltweit gewesen sein, im längerfristigen Vergleich ist sie sogar eine der stärksten. Egal ob zurückblickend auf Anfang 2015, Mitte 2014 oder sogar seit 2010: Mit der Stärke des Yuan konnten lediglich der Schweizer Franken und der übermächtige US-Dollar mithalten. Zudem ist die gegenwärtige CNY-Schwäche keinesfalls aktiv von der Notenbank gefördert, wie etwa die Euro-Schwäche durch das QE-Programm der EZB. Chinas Währungshüter haben lediglich den Marktkräften freien Lauf gelassen, die in den letzten Monaten zunehmend Abwertungsdruck aufgestaut hatte.

Letztlich dürfte die globale Unsicherheit, die sich derzeit an Chinas Währungspolitik festbeißt, nur Ausdruck latenter Konjunkturängste sein, die sich in den letzten Monaten aufgebaut und jetzt ein Ventil gefunden haben. Wer Chinas neuen Kurs als „ausufernde Abwertungspolitik“ bezeichnet und Chinas Yuan als „Schwachwährung“ sollte seinen Blickwinkel allerdings etwas weiter als die letzten zwei Wochen fassen.

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Ein Kommentar

Rainer Missing

Da der Renminbi in den letzten Monaten eher überbewertet war und China eine Abwertung des Wechselkurses nur durch eine Marktunabhängige tägliche Neubestimmung verhindert hat, ist es eine logische Konsequenz, dass der Kurs nach Annäherung an die Marktbewegung ins rutschen gerät.
Die Frage ist, ob China den Einfluss der Märkte auf den Wechselkurs auch weiterhin zulässt, wenn es mal nicht in die gewünschte Richtung geht.

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