Euro-Konjunktur verliert im zweiten Quartal etwas an Fahrt

Nach vorläufigen Daten zum Wirtschaftswachstum des Euro-Raums hat das zweite Quartal eher enttäuscht. Denn das Wachstumstempo hat sich auf Quartalsbasis nicht etwa beschleunigt, sondern von +0,4 Prozent auf +0,3 Prozent verlangsamt. Dies ist insofern überraschend, da die zurückliegende Euro-Abwertung und niedrige Energiepreisen positiv auf die Konjunktur im Euroland gewirkt haben dürften. Details zur Aufschlüsselung der Wirtschaftsentwicklung liegen mit der Schnellschätzung noch nicht vor. Die Ergebnisse aus den Mitgliedsländern lassen aber darauf schließen, dass niedrigere Ausgaben für Energie den Privaten Konsum erneut angeschoben und der gesunkene Außenwert des Euro die Exporte angetrieben haben dürften. Der Schub beim privaten Verbrauch könnte allerdings weniger kräftig ausgefallen sein als erwartet.

In Deutschland hat sich das Wachstumstempo zwischen April und Juni nur leicht beschleunigt. Im ersten Quartal war ein relativ schwacher Zuwachs der Wirtschaftsleistung von +0,3 Prozent zu verzeichnen, für das zweite Quartal 2015 ergab die Schnellschätzung nun ein Plus von +0,4 Prozent. Dabei haben nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sowohl die privaten Konsumausgaben als auch die Staatsausgaben zugelegt. Bremsend haben sich die Investitionen ausgewirkt, was einem Sondereffekt durch den Bau geschuldet war. Im ersten Quartal war die Bauentwicklung durch eine milde Witterung überzeichnet. Dementsprechend kam es im zweiten Quartal zu einer Korrektur, die ein insgesamt stärkeres Quartalswachstum der Wirtschaftsleistung verhinderte.

Unter den übrigen großen Mitgliedsländern bleibt die spanische Volkswirtschaft mit einer Zuwachsrate des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von +1,0 Prozent weiter an der Spitze. Bei den Ergebnissen für das französische Wirtschaftswachstum gab es diesmal eine große Enttäuschung, nachdem das erste Quartal noch überraschend stark war. Das lag vor allem an der schwächelnden Binnennachfrage, welche diesmal nur einen geringen Wachstumsbeitrag lieferten. In Italien festigt sich das Wachstum allmählich auf schwachem Niveau. Nach +0,3 Prozent im Vorquartal ging in Q2 mit +0,2 Prozent aber etwas Dynamik verloren. In den Niederlanden hat sich die Wirtschaftskraft im zweiten Quartal mit +0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal kaum von der Stelle bewegt, nachdem die Förderung in einem der größten Gasfelder Europas im Norden der Niederlande massiv zurückgefahren wurde.

Die jüngsten, leicht schwächeren BIP-Daten zum Euro-Raum verdeutlichen, dass der Konjunkturmotor nicht wie geschmiert läuft – und dies, obwohl mit den niedrigen Energiepreisen und der zurückliegenden Euro-Abwertung günstige Faktoren auf die Wirtschaft im Währungsraum gewirkt haben dürften. Für die kommenden Quartale gehen wir derzeit nicht von einer Beschleunigung des Wachstumstempos im weiteren Jahresverlauf aus. Das außenwirtschaftliche Umfeld bleibt unruhig und hat mit den jüngsten Sorgen um die weitere wirtschaftliche Entwicklung in China eine neue Belastung erfahren. Zudem dürfte die immer noch hohe Arbeitslosigkeit in vielen Euro-Ländern die Ausgabebereitschaft der privaten Haushalte nicht in dem Umfang steigen lassen, wie es die Entlastungen von den Energiepreisen naheliegen würden. Unserer Einschätzung nach haben daher die konjunkturellen Abwärtsrisiken für den Euro-Raum zuletzt zugenommen.

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