Am deutschen Wohnungsmarkt beschleunigt sich der Preisanstieg

Der Preisanstieg am deutschen Wohnungsmarkt hat sich in der ersten Jahreshälfte beschleunigt. Das belegen die vom Verband deutscher Pfandbriefbanken vdp veröffentlichten Daten. Die Preise für selbstgenutztes Wohneigentum lagen im Juni, vor allem dank eines starken ersten Quartals, 4,4 Prozent oberhalb der Vorjahreswerte. Damit fällt der Preisanstieg spürbar kräftiger als in den zurückliegenden Jahren aus. Zwischen 2012 und 2014 legten die Preise im Durchschnitt um etwas mehr als drei Prozent im Jahr zu. Neben dem insgesamt beschleunigten Anstieg gab es aber auch eine Verschiebung zwischen der Preisentwicklung von Eigentumswohnungen und Ein- und Zweifamilienhäusern. Während bislang Wohnungen eine höhere Preisdynamik aufwiesen, ist es seit dem Ende des vergangenen Jahres umgekehrt.

Noch deutlich schneller als bei den Eigenheimen klettern die Preise für Mehrfamilienhäuser nach oben. Das hohe Interesse von Investoren am deutschen Immobilienmarkt ließ die Preise zur Jahresmitte um 7,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigen. Das ist der höchste Wert der Jahresveränderungsrate für Mehrfamilienhäuser im 2003 aufgelegten Index. Bei den Mehrfamilienhäusern hält das hohe Tempo beim Preisanstieg allerdings schon etwas länger an. 2012 und 2013 verteuerten sich diese begehrten Investitionsobjekte um jeweils nicht ganz fünf Prozent, 2014 waren es fast sieben Prozent. Dagegen hat sich die Aufwärtsentwicklung der Neuvertragsmieten im zweiten Quartal auf 3,6 Prozent verlangsamt. Damit ist der Abstand zwischen dem Miet- und dem Preisanstieg größer geworden, entsprechend gehen die erzielbaren Renditen der Anleger weiter zurück.

Doch warum hat sich der Preisanstieg beschleunigt? Bei den Eigenheimen ist das höhere Tempo überraschend, denn die Hypothekenzinsen fallen nicht mehr. Sie sind zwar immer noch sehr niedrig, liegen aber bereits einige Zehntelstellen höher als beim bisherigen Tiefstand im April. Möglicherweise sind Kaufinteressenten derzeit verstärkt an Abschlüssen interessiert, weil mit weiterem Abwarten bei gleichzeitig steigenden Kaufpreisen der Einstieg in den Immobilienmarkt schwieriger wird. Für schmalere Budgets könnte sich das Zeitfenster, in dem der Kauf einer eigenen Immobilie realisierbar ist, zudem allmählich schließen. Auch für Investoren müsste die die Attraktivität von Mehrfamilienhäusern aufgrund der fallenden Mietrenditen nachlassen. Aber offenbar ist angesichts fallender Anleiherenditen, rückläufiger Rohstoffpreise, volatiler und hoch bewerteter Aktien sowie zunehmender Probleme in den Schwellenländern der Mangel an Anlagealternativen so groß, dass die verschlechterten Ertragschancen in Kauf genommen werden.

Bei den Eigenheimen dürfte die Preisdynamik in den kommenden Quartalen wieder etwas nachlassen, auch weil steigende Preise bei etwas höheren Zinsen den Käuferkreis verkleinern. Bei den Mehrfamilienhäusern legt zumindest die größer werdende Schere zwischen Preisen und Mieten nahe, dass sich Anleger zukünftig wieder etwas zurückhaltender zeigen. Für eine Abschwächung des Preisanstiegs sprechen aber auch steigende Fertigstellungszahlen von Neubauwohnungen. Ein größeres Angebot, eine verschlechterte Erschwinglichkeit und sinkende Renditen machen aber auch deutlich, dass das Fundament der Immobilienpreise an Solidität einbüßt, Rücksetzer also wahrscheinlicher werden. Eine Stütze für den Markt ist dagegen die Wohnungsnachfrage aufgrund der zuwanderungsbedingt steigenden Einwohnerzahl.

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2 Kommentare

He. Kuqi Luan

Bitte fügen Sie mich zu Ihre News Letter.
Danke.

bettina.schlorke

Hallo Herr Luan,

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