Britische Geldpolitik: Siegeszug der Falken?

Das Protokoll der letzten Sitzung des geldpolitischen Rates (MPC) der Bank of England barg kaum Überraschungen: acht Mitglieder des MPC hatten für ein unverändertes Leitzinsniveau gestimmt, ein Mitglied (der bekennende Falke Ian McCafferty) für eine Anhebung des Leitzinses um 25 Basispunkte. Klar ist jedoch, dass Mr. McCafferty als Falke keineswegs ein einsames Leben führt. Das Abstimmungsverhältnis innerhalb des Rates droht zu kippen: schon im September ist ein 7:2 Ergebnis oder gar ein Verhältnis von 6:3 gut denkbar. Angesichts jüngster Entwicklungen gehen wir nun davon aus, dass es den Falken im MPC im Verlauf der kommenden drei bis sechs Monate gelingen wird, eine Mehrheit für eine Zinserhöhung zu erreichen. Zum einen haben die Falken im geldpolitischen Rat der BoE in den vergangenen Wochen an Gewicht gewonnen. Konnte man bislang „nur“ Martin Weale und Ian McCafferty dem Lager der Falken zuordnen, machte Kristin Forbes diese Woche mit einem unerwartet offenen Plädoyer für eine Zinserhöhung von sich reden. Das Lager der Falken ist somit auf drei Mitglieder angewachsen und dem Lager der Tauben nun ebenbürtig (Ben Broadbent, Jon Cunliffe und Andy Haldane). Fragezeichen bestehen bei Nemat Shafik und Gertjan Vlieghe (der am 1.9. den scheidenden David Miles ersetzen wird). Auch was Mark Carney betrifft, herrscht weiterhin Unsicherheit. Gewisse Tendenzen in Richtung der Falken sind aber unübersehbar. Zum anderen wären da die jüngsten Inflationsdaten, die vor allem in der Kernrate positiv überraschten. Die Headline-Rate blieb zwar mit einem Plus von 0,1% (J/J) sehr niedrig, aber der Anstieg der Kernrate auf +1,2% gibt Anlass zur Hoffnung – und dürfte den Falken im MPC wertvolle Munition liefern. In Erwartung einer ersten Zinserhöhung zu Beginn des Jahres 2016, sollte auch das Pfund profitieren können, vor allem gegenüber dem Euro.

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