Wie geht es mit der Inflation im Euroraum weiter?

Die Rohölpreise stehen seit Mitte 2014 unter einem einen starken Abwärtsdruck, weshalb die Inflationsrate im Euroraum in diesem Jahr zwischenzeitlich sogar in die roten Zahlen abgerutscht ist. In den letzten vier Wochen sind die Ölpreise abermals kräftig gesunken. So hat sich der Preis für die Rohölsorte Brent, die für die Wirtschaft im Euroraum am wichtigsten ist, in diesem Zeitraum um 15 Prozent nach unten bewegt. Da stärkere Preisausschläge bei Rohöl in der historischen Betrachtung nicht unüblich sind, haben sie auch einen maßgeblichen Einfluss auf die Verbraucherpreisinflation, vor allem – aber nicht nur – über die Energiepreise.

Wie geht es nun mit der Inflation im gemeinsamen Währungsraum weiter? Um diese Frage beantworten zu können, haben wir zwei Szenarien entwickelt. In unserem Hauptszenario, sprich unserer aktuellen Inflationsprognose, gehen wir von einem Brent-Rohölpreis von rund 50 US-Dollar bis zum Ende dieses Jahres aus. Im kommenden Jahr dürfte der Preis dann peu à peu ansteigen bis auf 55 US-Dollar zum Jahresende. In einem Alternativszenario, welches von einer (noch) schwächeren weltwirtschaftlichen Dynamik ausgeht, sind wir von einem bis zum Jahresende 2016 unveränderten Rohölpreis von 50 US-Dollar ausgegangen.

Gemeinsam ist beiden Szenarien erstens, dass die Inflationsrate im Euroraum vorübergehend wieder in negatives Terrain zurückfallen dürfte. Aufgrund des starken Preisrutsches bei Brent erwarten wir dies schon für die Monate August und September dieses Jahres. Gemeinsam ist beiden Szenarien zweitens, dass die Inflationsrate anschließend einem Auf und Ab folgt. Dies liegt vor allem an der dann aktuellen bzw. zurückliegenden Energiepreisentwicklung, den so genannten Basiseffekten. Drittens hält die Inflationsrate selbst bei einer Konstanz des Brent-Preises bei 50 US-Dollar ab dem Herbst 2015 einen gewissen Sicherheitsabstand zur Nulllinie, und zwar von oben. Insgesamt sehen wir die durchschnittliche Inflationsrate in diesem Jahr bei 0,0 Prozent und im kommenden Jahr bei 0,9 Prozent (Hauptszenario) bzw. bei 0,7 Prozent.

Vor dem Hintergrund dieser Szenarien halten wir mögliche Deflationsdebatten für übertrieben. Die Deflationsrisiken nehmen nur dann zu, wenn es zu Preisrückgängen nicht nur für Energie kommt. In einem solchen Fall würde die Kerninflation sich in Richtung null bewegen. Diese weist derzeit mit 1,0 Prozent allerdings einen soliden Abstand zur Nulllinie auf. Zudem sehen wir für einen großen Abwärtsdruck auf die Kerninflation aktuell keine Anzeichen.

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