DAX im Crashmodus

Erstmals seit Januar dieses Jahres notiert der DAX wieder im vierstelligen Bereich. Mit mehr als 20% Kursrückgang seit dem Erreichen des Allzeithochs bei 12.390 Indexpunkten am 10. April erfüllt der aktuelle Kursrutsch damit die gängige Definition eines „Crashs“.

Investoren in (exportstarken und konjunkturabhängigen) deutschen Unternehmen sorgen sich um die wirtschaftliche Entwicklung in China und deren Auswirkung auf die globale Konjunktur. Insbesondere die Kursreaktionen am chinesischen Aktienmarkt sind zuletzt atemberaubend. Nachdem es noch in der ersten Augusthälfte so aussah, als könne sich der Markt (CSI300) auf einem um ein Viertel ermäßigten Niveau stabilisieren, folgte nun die Wiederaufnahme des steilen Abwärtstrends. Allein in den letzten fünf Handelstagen verlor der chinesische Index nochmals 20% an Wert und notiert nun rund 40% unterhalb des im Juni erreichten Übertreibungsniveaus. Die Dynamik des Abwärtstrends übersteigt unsere Erwartung deutlich und zeigt nochmals eindrucksvoll, dass selbst die chinesische Regierung einen Crash nicht „verbieten“ kann.

Unsere bisherige Zielmarke für den DAX von 12.500 Indexpunkten per Jahresende 2015 setzte sich aus einem fundamental gerechtfertigten Niveau von 11.000 Punkten zuzüglich eines Aufschlags zusammen, der das expansive Agieren der Notenbanken widerspiegelte. Weiterhin hatten wir mit Blick auf 2016 argumentiert, dass es der deutsche Aktienmarkt dann, wenn das Ende des geldpolitischen Impulses absehbar wird, nicht schaffen dürfte, dieses Niveau zu halten, OBWOHL die konjunkturellen Rahmenbedingungen (gute Dynamik, niedriger Ölpreis, steigende Unternehmensgewinne) auch 2016 vorherrschen dürften. Nach unserer Einschätzung hat das Marktgeschehen in China nun schneller als bisher erwartet dazu beigetragen, Kursniveau und Erwartungen an das fundamental gerechtfertigte Niveau anzupassen, inklusive einer üblichen Übertreibung nach unten.

Wir reduzieren daher unsere Prognose für das Jahresende 2015 auf 11.000 Punkte (Euro Stoxx 50: 3.500). Unsere Erwartung für die Jahresmitte 2016 in jeweils gleicher Höhe bleibt bestehen.

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2 Kommentare

Sehr geehrter Bloger,

Ich verfolge über die Berliner Volksbank zum ersten mal ihren blog. Für einen Experten bzw Analysten finde ich den Post zum Crash Montag ziemlich kurz und schmerzlos,schade eigentlich…Ich habe selbst für eine VR Bank gearbeitet bzw dort meine Ausbildung gemacht. Frage an Sie,sind das Informationen bzw aussagen an die sie glauben,oder an jene die die Bank vertritt. Analysten die im sinne der Bank schreiben gibt’s genug.. aktuelle Korrektur auf Jahressicht auf 11T Punkte,nächstes Halbjahr ebenfalls. Prognosen hin oder her,aber in welche Richtung es sich gerade bewegt? China hat immer noch Wachstum jenseits dem Rest der Welt,aber Wertpapiere weit über Kredit finanziert, die USA kann die Zinsen nicht anheben da sonst die erste Karte fällt und die EZB im Schatten der Fed,die augenscheinlich in privatHand ist – Vorstände der Großbanken… Geld ist genug da,nur schade dass die Griechen immer noch Garantien bekommen und der SchuldenSchnitt versteckt wird 🙂 Grüße

DZ BANK Research

Vielen Dank für Ihren Kommentar. Natürlich habe ich in dem betreffenden Beitrag, genau wie sonst auch, meine eigene Einschätzung zu den Ereignissen wiedergegeben. Das ist eine wesentliche Grundlage für Bielmeiers Blog. Der Crash am chinesischen Aktienmarkt ist aus meiner Sicht nicht als Hinweis auf eine kollabierende Konjunktur dort zu sehen, sondern als notwendige Korrektur eines deutlich überbewerteten Marktes.
Da die Auswirkungen auf den Rest der Welt mittelfristig begrenzt bleiben sollten, ist nicht damit zu rechnen, dass sich die US-Notenbank anders verhalten wird, als das ohne die Ereignisse der letzten Tage der Fall gewesen wäre.

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