US-Arbeitsmarkt: Noch keine Spur von Lohndruck – oder?

Die Lage am US-Arbeitsmarkt hat sich deutlich verbessert, das zeigen inzwischen fast alle Indikatoren. In Bezug auf die bislang nur schwache Lohndynamik sollte nicht davon ausgegangen werden, dass diese nicht mehr oder erst in ferner Zukunft anziehen wird. Eine hohe Beschäftigungsquote und kaum noch vorhandene stille Reserven sprechen für steigenden Lohndruck. Die stille Reserve hatte zum einen aus einer großen Zahl an unfreiwilligen Teilzeitarbeitskräften bestanden, die lieber Vollzeit arbeiten würden. Hinzu kamen noch Personen, die den Arbeitsmarkt zuvor entmutigt verlassen hatten. Diese Gruppen haben bisher als Puffer gegen wachsenden Lohndruck gewirkt. Zahlreiche Teilzeitarbeiter haben in den vergangenen Monaten ihre wöchentliche Arbeitszeit erhöht und auf diese Art ihr Einkommen gesteigert. Der durchschnittliche Stundenlohn wurde hiervon nicht berührt. Es springt noch stärker ins Auge, wie weit die Erholung in diesem Arbeitsmarktsegment voran geschritten ist, wenn die Zahl der unfreiwilligen Teilzeitarbeiter ins Verhältnis zur gesamten Beschäftigung gesetzt wird. Diese Quote ist inzwischen kräftig gesunken und dürfte noch in diesem Jahr unter den langjährigen Durchschnitt fallen.

Aber auch die große Zahl an rückkehrenden Arbeitskräften hat bisher die Löhne im Zaum gehalten. Diese Personen dürften sich über eine neue berufliche Chance freuen und sich dementsprechend zurückhaltend bei den Lohnverhandlungen verhalten haben. Das Potenzial für eine weitere Ausweitung des Arbeitskräfteangebotes durch den Abbau der stillen Reserve ist inzwischen allerdings gesunken. Diese die Lohnsteigerungen bremsenden Faktoren werden deshalb in den kommenden Monaten an Gewicht verlieren. Umso stärker sollte dann die schon wieder recht hohe Beschäftigungsquote bei den Personen im erwerbsfähigen Alter zum Tragen kommen und für Lohndruck sorgen.

Für zunehmenden Aufwärtsdruck bei den Löhnen zum Jahresende spricht auch die Tatsache, dass der Stellenaufbau vor allem bei den gut qualifizierten Arbeitskräften stattfindet und dort bereits nur noch eine Arbeitslosenquote von rund drei Prozent verzeichnet wird. Darüber hinaus sind fast 90 Prozent der Stellen in Betrieben mit weniger als 500 Mitarbeitern entstanden. Vor allem kleinere Unternehmen sind kaum dem internationalen Wettbewerb ausgesetzt und sollten Spielraum für Lohnerhöhungen haben. Durch die sehr verhaltene Entwicklung im bisherigen Jahresverlauf dürfte dennoch im Dezember das Lohnniveau nur um rund 2,5 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats liegen. Durch eine weiter leicht anziehende Lohndynamik sollte Mitte des kommenden Jahres der durchschnittliche Stundenlohn um rund 3,5 Prozent auf Jahressicht gestiegen sein.

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